Quiche Lorraine

Zeitgleise Auf neuen und auf alten Gleisen, in einer vertrauten und doch fremden Zeit

Buch Haselnussgeist
aus der fantasywerkstatt xento falkenbourg & sohn fürth (xfwerk)


Vom Beginn eines neuen Kapitels.
Die Augen für Alternativen weit geöffnet.


Buch+Ebook hell - Sutzzäune 1976 1

Auszug aus Schutzzäune 1976. Kaum ist Weeko aus dem Lokal wieder verschwunden und ich höre eben noch seinen Motor anspringen und losfahren, steht plötzlich ein freundliches Männlein neben mir. Also nicht ein Junge, wie ich im ersten Moment glaube, sondern ein richtiger Mann. Wenn auch vom Eindruck her mehr an einen Schulbub erinnernd, sehen seine Augen weise, etwas altklug zu mir rüber, obschon ich auf einem Stuhl sitzend, mich immer noch als deutlich höher aufragend empfinde, als er es aufrechtstehend tut. Er sieht trotzdem nicht nach oben, sondern geradeaus zu mir hin. Rein physikalisch nicht zu erklären, aber Tatsache! Ich bin betroffen, kann es bestätigen. Es ist Fakt. Und bleibt so. – Er schaut mich neugierig an. So, als erwarte er eine Erklärung von mir?! Warum? Weil ich ein zweites Stück seiner Quiche Lorraine genauso gierig verzehre wie das erste? Eine Uniform trage ich zu solchen heimlichen Treffen mit Weeko nie, daran kann es also nicht liegen. – Ziemt sich das wohl nicht für einen erwachsenen Mann? Der auf seine Figur sonst akribisch Acht gibt? Muss ich wohl auch! Bin noch immer Single in einer partnerschaftlich orientierten Welt und ich wollte noch niemals das, was andere an meiner Stelle auswählen würden. Also passt im Regelfall das vorliegende Angebot niemals zu meinem Geschmack. Wobei ich selbigen nicht einmal selbst näher bestimmen könnte. Nach 19-jährigem Zölibat, selbst auferlegt, denn das forderte mein guter Vater niemals von mir, sondern lediglich Anständigkeit, kann ich wirklich nicht mehr genau sagen, was mich denn anregen könnte. Wo ich es doch seit 19 Jahren konsequent bekämpfe, sukzessive unterdrücke, dass es passiert… Also, was will er von mir? Und warum spricht er nicht? Ich kann dieses Fragezeichen in seinen riesenhaften pechschwarzen Pupillen leuchten sehen! Aufblitzen wie das Blitzlicht einer Kamera! Ja was denn nun? Also gehe ich zum Angriff über… „Entschuldigung? Habe ich vielleicht mit irgendeinem Verhalten meinerseits Ihr Lokal beleidigt? Eigentlich würde mich das doch sehr verwundern, denn es schmeckt mir ausgezeichnet! Also alles, was ich verköstigt habe. Und diese Quiche! Himmlisch! Dass man solche französische Köstlichkeit in unserer Breitenlage noch bekommt?! Ich bin mehr als angenehm überrascht darüber und falls es Ihnen um irgendwelche Empfehlungen geht, die ich aussprechen soll, kann ich sicherlich auch damit dienen… Na ja, vielleicht nicht gar so direkt. Aber indirekt gibt‘s immer für alles Möglichkeiten, die sich finden ließen, sollte das Ihr Anliegen sein…“ – Eine hoffnungsschwangere längere Pause eingelegt, denn meine vormaligen knackig kurzen, in meiner Rede eingebauten Pausen, wollte er nicht für sich nutzen. Aber auch das scheint nicht ausreichend zu sein. Werde ich mir wohl noch weitere Fragen ausdenken müssen… „Vielleicht möchten Sie mir auch noch etwas Weiteres empfehlen? Ich kann mich erinnern, dass ich bei Ihrem Angebot der Quiche weitere Vorspeisen gar nicht mehr groß beachten wollte, sondern mich direkt darauf stürzte. Als Hauptspeise fand ich dann nichts, was mich gleichermaßen ansprechen wollte und deshalb wählte ich eine weitere Quiche. Ist das wohl inakzeptabel, dass einer ihrer Gäste zwei Ihrer Vorspeisen hintereinander verschlingt und hernach wahrscheinlich zahlen und gehen möchte?“ – Nun, immerhin, er lächelt. Verschmitzt! Der Schlingel! Er will mich ärgern! … „Okay, einverstanden. Ich pariere ein weiteres Mal. Mein Gast hat nichts bezahlt, weil er von mir eingeladen wurde. Falls Sie das zu dieser Schweigerunde animiert… Auch er war überaus zufrieden mit seinem Norddeutschen Labskaus und voraus Ihre überaus köstliche Ostfriesische Krabbensuppe, ebenso deutlich ausgefallen für die hiesige Ecke. Also beide Gerichte…“ – (Inhaber) „Ein Helles zuzüglich Tomatensalat. Und ich bin zufrieden.“ – Mit todernster Stimme, mit der andere Grabreden zelebrieren. Meine Stirnrunzeln graben sich wohl überdeutlich ein. Was soll denn jetzt das? Er grinst noch breiter, ich weiß es genau, sehe es vor mir, obwohl er mit völlig ausdrucksloser Miene direkt vor mir steht! Ja, wie geht denn jetzt das?! Und was war das gerade? Ein Helles? Gibt es nicht sowas nur in Bayern? Bietet dieses Lokal wohl Spezialitäten aus dem gesamten Bundesgebiet zuzüglich Anrainerstaaten? – Tomatensalat? Wie passt denn der zur Quiche Lorraine? – Freundchen! Jetzt hör mir aber mal zu! Denke ich für mich… Wenn du deine Gäste beraten willst, solltest du schon auch Geschmackliches berücksichtigen! So als Chef eines Restaurants mit solch exquisitem Angebot! – Dein Tomatensalat war keinesfalls französisch ausgelegt, sondern typisch italienisch. Im Übrigen kein Anrainerstaat, außer man trägt braune Socken! Was ich bei dir ausschließen wollte! Also willst du mich wirklich bloß ärgern! – Ich erinnere mich genau an die Balsamico-Creme. Eine Begrifflichkeit, mit der die meisten hierzulande überhaupt nichts anfangen können. Geschweige denn, dass sie überhaupt wissen, was Balsamico ist, wissen sie sicherlich nicht, dass es auch noch eine etwas mildere Cremefassung dazu gibt. Und ja, ich weiß genau, wie man mittels dieser ganz wunderbare Verzierungen auf Mozzarella-Scheiben erzeugen kann. Habe ich selbst schon oft genug praktiziert. Und ja, im Geschmack himmlisch! Aber es passt dennoch weder zu Hellem – was hierzulande Exportbier heißt, egal woher es stammt und reine Frauensache stellt, also für wahre Männer eine Zumutung ist, es zu bestellen – und genauso wenig zur Quiche Lorraine. Dazu könntest du mir einen Rotwein, vielleicht auch einen Weißwein, schön trocken in beiden Fällen, oder einen Cidre empfehlen, aber sicherlich kein Bier! Mann! Und einen Cidre habe ich bereits dazu degustiert und er schmeckte wunderbar! Besten Dank für die Nachfrage!! – Okay, war‘s das jetzt an Schikanen? Darf ich jetzt ungestört weiteressen? – Mit verwegen kampfbereitem Blick alles nur gedacht und auf diesem Weg ihm entgegen geschleudert… Aber, wer grinsen und gleichzeitig todernst dreinblicken kann, kann sicherlich auch gut Gedanken erfassen. Aus den Hirnströmen direkt zu sich weiterleiten, oder aus den Augen sein Wissen abschöpfen, von der Stirn ablesen oder aus dem Pulsschlag! Ist mir vollkommen wurscht! Mich ärgert nur, dass meine warme Vorspeise unterdessen zu einer kalten verkommt…

Zeitgleise Auf neuen und auf alten Gleisen, in einer vertrauten und doch fremden Zeit

Buch+Ebook Sterne - Schutzzäune 1976 1
Leseprobe zum reinklicken und durchblättern…
Zeitgleise-1.2.1-Schutzzaeune-1976-xfw-B-LP

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ab 16 / je Teilband als Taschenbuch (13,5×21,5) ca. 340-400 Seiten
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