Plumpudding im September

Zeitgleise Auf neuen und auf alten Gleisen, in einer vertrauten und doch fremden Zeit


Freunde am anderen Ende der Welt

Buch+Ebook hell - Sofienpavillon 1, BB 2

Auszug aus Sofienpavillon 1, BB.

Dienstag, 09-09-1969, Neun Uhr Früh – wann sonst? Brayden, ein zum Zeitpunkt dreizehnjähriger Aborigine betritt den Schauplatz, die Midlandsfarm von Klaas und Keela vanReeven, deren Sohn Missi zurzeit dreieinhalb Jahre alt ist und das Leben seiner Eltern ordentlich aktiv und farbenfroh gestaltet. Davon haben sie, die Aborigines, gehört. So Braydens Worte, soweit Klaas sie versteht. Braydens Englisch fällt nicht ganz so exzellent aus, aber Klaas Aborigine-Kenntnisse sind nochmals deutlich schwächer, also kämpft man britisch um gegenseitige Verständigung. Bis heute konnten sie gemeinschaftlich nicht rausfinden, zu welcher Sprachgruppe Braydens eigentlich zählt. Zur Auswahl stehen West Barkly, Gunwinyguan, Pama-Nyungan und Tankic. Vielleicht ist es aber nochmal was ganz anderes?! Jedenfalls hält der junge Mann ein zufrieden schlafendes Baby im Arm. Während er in gebrochenem Englisch probiert Klaas und seiner Frau verständlich zu machen, warum er und seine Freunde, elf weitere junge Kerle, alle sichtbar aus gleichem Holz geschnitzt, am heutigen Tag seine Farm besuchen… Keela kocht Tee und kurz drauf Kaffee und zeigt wie man mittels Milch, Sahne und Zucker weitere Geschmacksrichtungen definiert. Daraufhin wird auch der Tee näher untersucht und das Kandisangebot genauso wie Milch, Zitronensaft und Alkohol als Ergänzungsmöglichkeiten getestet. Ein Paar probieren alles miteinander vermengt aus. Sie amüsieren sich, finden es sehr unterhaltsam. Keela übernimmt derweil die Gluckenrolle, leiht sich das Baby aus den Armen Braydens aus, während die schon etwas älter geratene Männergemeinschaft um sie herum neue Geschmacksrichtungen aus Tee und Kaffee definiert. Diesem Projekt schließt sich Missi an, während Keela herausfindet, dass das Baby ebenso aufgeschlossen für neue Geschmacksrichtungen ist. Kuhmilch, Breichen aus Kartoffelresten mit Soße, den Rest vom Applepie hat sie dem Zwerg schon einverleibt und er macht begierig den Eindruck mehr zu wollen. Also wird die Speisekammer auf der Suche nach weiteren verwendbaren Materialien durchpflügt. Missi isst ja schon lange bei Klaas und ihr mit und bei gleich zwei derart hungrigen Gesellen bei Tisch bleiben nur selten Reste über… Missi verträgt bestens ihre zumeist würzige Küche, somit ist für Babys gerade im Moment nicht sehr viel im Angebot. Für heute Abend liegen Steaks im Kühlschrank. Doch wohl nicht ganz richtig?! Dicke Bohnen mit Speck vom Frühstück? Auch nicht ganz so geeignet, da sie zudem noch ordentlich Zwiebeln reingemengt hat. Und Plumpudding. Ihr geplantes Mittagsgericht mit nur einem Hauch von Alkohol verfeinert. Auch für ihren Sohn noch lange nicht geeignet. Aber dem schmeckt es tatsächlich richtig gut, während sein Vater bei englischer Kost liebend gerne auf den Nachtisch wartet oder Reste vom Vortag im Kühlschrank suchen geht… Den restlichen Kartoffelbrei hat der Knirps jetzt ja schon aufgefuttert. Also bleibt nur der Plumpudding übrig. Und wie man weiß, sind da schon ein paar mehr Zutaten drin, die für Babys allgemein als ungeeignet gelten. Aber der Zwerg kriegt beim Geruch richtig große Augen und die nehmen dabei auch noch alle Farben an. So direkt hintereinander, dass es fast schon gruselig wird und sie ihn letztlich demütig probieren lässt. Sie stellt ihren Plumpudding, den ein echter Engländer am ersten Weihnachtsfeiertag genießt und nicht im September, aus Rindernierenfett, getrockneten Birnen, Äpfeln, Rosinen, etwas Rum und Walnüssen her. Am Ende flambiert sie ihn mit Cognac und beschmiert ihn mit Cognacbutter. Das macht Plumpudding wahnsinnig reichhaltig und very, very British und deshalb ist er schon für ihren dreieinhalbjährigen Bub Missi als lebensbedrohlich einzustufen, laut ihrem Mann Klaas, der das Zeug hasst… Deshalb gibt es kein »verschandeltes Weihnachtsfest« mit »grauenvollem Matschzeug«, sondern das Ganze irgendwann unterm Jahr, ist sie mal wieder mutig genug dazu. Und das war ausgerechnet heute so. Dumm gelaufen! Der Zwerg in ihren Armen ist begeistert und nötigt sie mit seinen funkelnden wechselfarbigen Augen beständig ihm noch mehr zu geben… Na hoffentlich bekommt das mal keiner mit! Dafür nagelt man sie wahrscheinlich direkt an die nächste Wand! Aber, weit gefehlt! Ihr Sohn Missi lenkt das Interesse der fröhlichen Gemeinschaft auf ihren Plumpudding um und der wird dann mit großer Begeisterung von allen Begleitern des Babys bis auf den letzten Happen niedergefuttert. Missi knüpft ihr den kleinen Zwerg wieder ab und gemeinsam mit seinem Vater gibt er ihm nun heiße Schokolade zu trinken. Der Kleine mag alles und jedes was man ihm bietet. Keela steht zwischenzeitlich am Herd und kocht nochmal frisch auf. Allerdings erspart sie ihrem Mann die »englische Qual« und produziert in rauen Mengen Semmelknödel in Pilzrahmsoße und Mangoldgemüse, was auch noch in dritter Runde restlos vernichtet wird. Dabei isst das vermeintliche Baby genauso immer noch mit, wie in sämtlichen Vorrunden… Die neuen Freunde stellen sich zwischenzeitlich vor. Es gibt außer Brayden, dreizehnjährig, dessen Name die Bedeutung von »eher verschlossen« in sich trägt, mit gleicher Bedeutung den elfjährigen Kamballa. Des Weiteren mit der Bedeutung »eher logisch denkend« im Namen, den fünfzehnjährigen Brooke und neunjährigen Dorak, »eher Einzelkämpfer«, den zwölfjährigen Kaiya und sechzehnjährigen Brodie, »eher gefühlsbetont«, den zehnjährigen Guyra und vierzehnjährigen Bega, »eher pragmatisch«, den dreizehnjährigen Banjora und sechzehnjährigen Dylan, »eher kreativ«, schließt den Kreis mit dem siebzehnjährigen Declan… Am Abend kocht Keela noch immer, währenddessen die fröhliche Gesellschaft die Tiere am Hof versorgt und Steaks mit Kartoffelbrei in fettiger Soße und gemischtem Salat verputzt und dazu fleißig deutsches Bier trinkt. Und genau das ist dann wohl der Grund, weshalb Brayden William Bernbaas und Christian Zöller im Jahr 1978 zu dieser Familie hin eskortiert… Brayden kriegt sofort mit, dass die freundlichen Männer, denen er auf der Jagd begegnet, deutsches Bier mögen… „Nun, ich kenne da wen, der tut das ebenso… Sucht ihr vielleicht nach einem Job? Mein Freund könnte vertrauenswürdige Farmarbeiter gut gebrauchen. Seine Frau verstarb vor drei Monaten im Kindbett… Er steht jetzt mit vier Kindern alleine da. Mit einer Rinderzucht und großem Hof dazu… Interesse? Dann packt eure Sachen zusammen… Ich hole derweil meine Freunde. Dann gehen wir ihn besuchen…“ – Unterdessen spricht Brayden erstklassiges British English und William und Christian staunen nicht schlecht. Denn der gute Brayden sieht in seiner urwüchsigen Jagd-Bekleidung und Ausrüstung kaum nach einem British Gentleman aus, als der er sich dann aber überzeugend artikuliert..


Zeitgleise Auf neuen und auf alten Gleisen, in einer vertrauten und doch fremden Zeit

Buch+Ebook Sterne - Sofienpavillon 1, BB 1
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BoD.de – Zeitgleise
Sofienpavillon 1, BB (Teil 1) — 12,49 €
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