Muntere Jazzklänge zu bluttropfender Klinge

Zeitgleise Auf neuen und auf alten Gleisen, in einer vertrauten und doch fremden Zeit

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Auszug aus Sofienpavillon 1, BB. Als Vermächtnis hinterlässt der Vater dem Sohn die besondere Liebe zum Swinging Jazz. Die Musik, die ihm zu Lebzeiten mehr als nur gut gefiel. Während seiner Arbeit für die Amerikaner Augsburgs wird Emiliano Guillard Mitglied der Glenn-Miller-Bigband-Revival, in den örtlichen Jazzklubs etabliert. Emiliano begeistert mit seinem einmaligen Sound am Saxofon und der Klarinette. Allerdings schreibt er – laut Stefans Recherche – in dieser Zeit keine eigenen Stücke und improvisiert genauso wenig. Was die besondere Muse seines – rein musikalisch betrachtet eher impulsiv-provokativen – Sohnes ausmacht. Somit wird in Mathias Zuhause wirklich oft In-the-Mood und die Moonlight-Serenade gespielt, halt nicht im Original, sondern die Platten der Hausband, die in den Fünfzigern so einiges in den Tonstudios Münchens aufnimmt. Damit erklären sich Mathias giftfiebrige Albträume, die Mos-Eisleys-Cantina-Music im Kinofilm StarWars, 09-02-1978, in der Nacht drauf auslösen… Immer wieder erklingen im Hintergrund die gleichen Melodien, zum einen Mos-Eisleys-Cantina-Music, zum anderen die bekannten Klänge In-The-Mood und die Moonlight-Serenade. Während dieser Horrorphrasen gewebt aus traumatischer Vision, tatsächlichen Erinnerungen und frisch erlebter Wirklichkeit, sieht Mathias immer erneut die gleiche Bilderabfolge, beginnend mit einer weißnebeligen wattebauschigen Dunstglocke, die aus dem Dunkel des Nichts vor seinen Augen entsteht und parallel immer lautere Jazztöne freigibt und darunter, zuerst sehr leise, immer lauter werdende Motorengeräusche einer schweren Limousine, ein Oldtimer aus Siebziger-Jahre-Sicht, ein Klangbild, dass auf General-Motors tippen lässt. Zumindest bildet sich das Mathias gequälter Geist schon bald ein. Die markanten Rundscheinwerfer tauchen als erstes auf, sich langsam aus dem Nebel absetzend, der sich Stück für Stück zurückzieht, um mehr und mehr des tiefdunklen Cadillacs freizugeben. Aufwendiger Chromschmuck an Wagenflanken und Frontpartie, elitäre Chromspeichenräder mit eingeprägtem Cadillac-Wappen und weit nach hinten ausgestreckte Heckflossen mit spitzen, dreieckigen Flügeln verziert, an Haifischflossen erinnernd, im Volksmund Chipmunk Cheeks (Streifenhörnchen-Backen) genannt, lässt den Caddie als Eldorado Biarritz enträtseln. Schwarz mit cremefarbenem Faltdach. Er zerreißt den Nebel, lässt Lichtstrahlen der aufsteigenden Sonne durchstechen und seine auf Hochglanz polierte Edelkarosse nochmals gewaltiger erscheinen. Darunter eröffnet sich der Blick auf eine kurvenreiche Bergstraße in höherliegender Region. Natürlicher Fichtennadelgeruch durchwoben von vielfältigem Pflanzen- und Blütenduft, grüne Lebendigkeit besprenkelt mit munterer Farbigkeit des einbrechenden Herbsts dezent in der frühen Morgenstunde. Die blaue Stunde des Tages, die friedlichste von allen. Die Sonne arbeitet sich gemächlich aufwärts, die idyllische Bergwelt nochmals sanfter einsäumend. Der Caddie hält sein Faltdach runtergefahren. – Der schwarzhaarige Mann am Lenkrad wirkt wie auf Urlaubsfahrt mit der Familie. Aufgrund der Witterung geht man nicht schlafen, was sicherlich vernünftiger wäre, sondern fährt die Nacht durch, lässt den kleinen Jungen dabei auf der Rückbank ausgestreckt ruhen. Die Frau am Beifahrersitz trägt Sonnenbrille, ihr Mann gleichsam. Sie hat sich ein Seidentuch um Kopf und Schultern gewickelt, um ihre Frisur vorm Fahrtwind zu schützen. Damit bleibt vom Gesicht praktisch nichts zu sehen. Vor ihnen liegt ein lang gestreckter Bergsee, nur wenig zu erkennen im Morgenlicht. Die Straße führt im angenehmen Abstand deutlich erhöht vorbei, kein Grund für Sorgen, eher eine Inspiration, seinen Blick über das naheliegende Wasser gleiten zu lassen. Genau das tun die beiden sinnlich zufrieden, als es mit einem Mal deutlich holpriger unter ihnen wird und doch ist nichts anderes als die glatte Straße erkennbar und plötzlich stürzen sie jäh mitten ins Wasser… Bei gut Achtzig Sachen mit entsprechendem Krawummeffekt! Der See fällt in Ufernähe steil und tief ab, die Fahrstraße oben drüber führt im sicheren Abstand vorbei. Aber deren Spur verließen sie, fuhren mit direktem Holperkurs direkt in den See… Loki! Er ist hier! Der letzte Gedanke des Fahrers, bevor sein Wagen mit Mann und Maus versinkt. – Er hechtet sofort geistesgegenwärtig nach hinten zu seinem Kind, verhindert, dass es ganz in den Fußraum reinrutscht und sich dort noch mehr verklemmt. Er zieht ihn vorsichtig an seiner Schulter nach oben, bis er ihn richtig greifen kann, gegen den massiven Sog des Wassers, der sie beide mit sich nach unten zerren will. Immer schneller, immer kraftvoller. Er bleibt konzentriert, hält die Luft an. Stößt sich kraftvoll mit den Beinen nach oben ab, sein ohnmächtiges Kind an sich gedrückt. An der Seeoberfläche ist von seiner Frau nichts mehr zu sehen, er muss sie suchen, solange es noch eine Chance gibt. Sie wurde beim Aufprall ins Wasser aus dem Wagen katapultiert, soviel konnte er sehen… Er legt seinen Jungen am Ufer ab. Untersucht ihn behände, eine kleine Kopfverletzung, sonst alles gut, er atmet gleichmäßig… Im Hintergrund sich abwechselnde jazzig-muntere Mos-Eisley- und Glenn-Miller-Rhythmik… Mathias sieht ihn, den er im Fiebertraum sofort als seinen Vater erkennt, ein ums andere Mal verzweifelt untertauchen und im dunkelschwarzen Seewasser die versunkene Frau suchen. Seine Mutter. So lange, bis er sie entdeckt. Sie ist längst ertrunken. Tot. Wiederbelebung unmöglich. Schließlich nimmt Emiliano zutiefst verzweifelt Frau und Sohn in seine Arme und weint bitterlich. Jetzt in der Horrorvision mit ständig sich wiederholenden munteren Jazzklängen im Hintergrund… Plötzlich das jähe Aufblitzen einer Klinge durch die Brust seines Vaters gestoßen. Mathias als das schlafende Kind darunter. Die bluttropfende Klinge direkt vor seinen Augen im herbstbunten romantischen Morgenlicht mit Jazzmusik von Saxofon und Klarinette begleitet. Die jäh aufgerissenen Augen Emilianos, der im Sterben mit dem Oberkörper nach hinten zurück kippt und Mathias Augen auf ein sehr dunkles und grimmiges Gesicht mit dominanten schwarzen Augen umlenkt. Ein finsterer Mann, braune Haare, trendige Koteletten. Thantos, der Vollstrecker – wird im Traum erklärt – steht mit gespreizten Beinen neben ihm. Er, Mathias, liegt als Kleinkind auf seiner toten Mutter ausgestreckt, deren Gesicht er niemals sieht. Aber das seines Vaters. Der ihm ähnlich ist. Eher Mitte Vierzig, als Anfang Zwanzig, wie der Mann aus Bocholt. Sein Vater, stirbt, während Thantos ihm von Loki ausrichten lässt, dass als Strafe für seinen Verrat, sein Sohn nun gänzlich ohne Familienanschluss aufwachsen muss… „Was für deinen Mathias bei eurem angeborenen Familiensinn eine schlimme Strafe stellt. Dem eigenen Kind wolltest du das sicherlich nicht zumuten…“ – Ein Höllengruß an ihn, Mathias, den Sohn des Verräters damit überbracht.

©xento-falkenbourg (xfwerk)
ab 16 / je Teilband (Buchdruck 13,5×21,5) ca. 340-450 Seiten
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