Mit dem Sonnenuntergang bliebe es immer dunkel

Wie Sterne (2.1.1)-Flüssiges Gold (BoD)-C-M1-Internet-0720

Auszug aus Band 2.1 Flüssiges Gold. Alles fing ganz harmlos an, so wie halt immer. Sie rufen an, erzählen etwas von besonders grausam, schrecklich, Massenmord, unerklärbare Umstände, eventuell sehr pikant und mit größter Umsicht zu behandeln oder es heißt einfach nur ´echt übel!- Schau‘s dir an, die Kollegen sind am kotzen!`, nun, jedenfalls irgendwas dieser Art wird immer dazu gesagt und du erwartest gar nichts anderes als den traurigen, alltäglichen Tod, der wiederum über seine Opfer herfiel, als gelte ein Leben auf dieser Erde rein garnichts mehr. Das Zeichen ihrer Zeit. Respekt vor irgendwas zu zollen liegt einfach nicht mehr im Trend. Nun ja, irgendwie auch wieder verständlich. Gewinnt man erst Einblick darin, was die hohen Herren und Damen so für üblich betreiben. Spätestens an der Stelle möchtest auch du kotzen und benötigst dafür kein grauenvoll entstelltes Opfer. Reine nüchterne Tatsache reicht ebenso aus. Deshalb tauchen immer mehr ab, werden die Wohnlagen innerhalb der Städte immer mehr zu Gefängnisvorhöfen mit bewaffneten Schützen auf den Dächern, in Wachtürmen postiert und Pforten | Stadttore | Eingangstüren ohne gültigen Passierschein passieren zu können, ist schon lange nicht mehr drin. Und manchmal reicht nicht einmal mehr der aus. Manchmal muss man diesem geltenden Schein, der Einen doch überall reinlassen sollte, noch zusätzliche Empfehlungsschreiben beifügen und zudem Scheine. Und von letzterem nicht wenig. Und das alles gilt nicht nur für Großstädte wie Hamburg. Eigentlich gilt das für jede etwas größere Stadt. In manchen Fällen sogar schon für Dörfer. 1981 brach schlicht und ergreifend mitten in eine Düsternis herein an, dass du glaubtest, mit dem Sonnenuntergang an Silvester 1980 bliebe es fortan für immer dunkel. Schon Weihnachten war nicht mehr so besinnlich-beschwingt wie all die Jahre zuvor, wo man doch wenigstens zur Adventszeit bemüht war ein heiles Bild seiner Welt vorzustrecken und wenigstens doch für kurze Zeit die Füße etwas stiller zu halten. Aber am Ende des letzten Jahres wollte keiner mehr lügen. Plötzlich war allen egal wer es erfuhr und was genau. Es hatte sie allesamt erwischt. Die Düsternis, die Hoffnungslosigkeit. Der Wunsch zu überleben ging fast schon komplett verloren. Fast schon wollte man meinen die Welt erleide global eine Depression, von der sie sich nie wieder erholen mag. Und dann, einfach so, stand am 2.1. jeder wieder auf, riss sich zusammen, streckte seinen Rücken durch, übte vor dem Spiegel aufrechte Haltung und Körperbeherrschung verbunden mit Unschuldsblick für die eine Seite und erboste Strenge für die andere. Und jeder funktionierte wieder. Alles lief wieder weiter wie gewohnt und ihren ersten Massenmord hatten sie bereits am Folgetag, die ersten besonders schrecklichen Tatorte, die ersten Zeichen grauenvoller Wirklichkeit nur Minuten später. Rein nach Gefühl war die Welt somit noch immer lebendig und wirklich. Das Leben verabscheuungswürdig und so, dass jemand, der in der allgemeinen Depression unbeeinträchtigt blieb, spätestens jetzt selbst nach Baldrian und Stärkerem in seinem Umfeld suchte…. Jedenfalls erging es mir so, als einfach alles so weiterlief, als wäre nie etwas geschehen. Als hätte man noch immer nichts kapiert, als wollte man weiterhin seine Zeit damit vergeuden seinen Heiligenschein zu polieren und sich weiterhin um keinerlei echte Probleme kümmern. Sie weiterhin einfach so ignorieren, wenn sie passieren…– Na ja, es gibt ja nun schon seit längerer Zeit ein ISB, eine Sondereinheit, die landesweite Aufräumarbeiten übernimmt. Aber obwohl die unterdessen längstens 50.000 Mitarbeiter verpflichten, wirken sie noch immer wie einzelne Tautropfen auf glühendheißem Wüstensand. Obwohl sie effizient sorgsam, akribisch genau, spitzfindig unbeirrt, detailliert, unbeeinflusst arbeiten und darin nicht wenig erfolgreich sind. Der Flächenbrand bleibt dennoch zu massiv. Und wir von der örtlichen Polizei bleiben nochmals mehr unbemerkt in dem gemeinen Chaos, in dem wir vereinzelte Gullydeckel versuchen auf Hochglanz zu polieren, nur um 3min später mitzubekommen, dass sich schon wieder ein Blutregen darüber ergoss und wir erneut aufräumen müssen, rätseln, ermitteln, Fragen stellen, nach Antworten suchen, parallel putzen und polieren und passende Worte für die Pressemeldung finden. Wobei das mit der Presse auch immer mehr zur reinen Farce erwächst. Kaum mehr etwas, das in den Zeitungen steht, birgt auch nur einen Fünkchen Wahrheit in sich. Wenn dann nur, um diese Worte der Wahrheit auf den Kopf zu stellen, sie als ad absurdum wiederzugeben. Letztlich mit ehrlichen Worten die Wahrheit noch mehr davor abzuriegeln, auch verstanden zu werden…..

©xento-falkenbourg (xfwerk) – Jugendliche ab 16 / Erwachsene, je Teilband ca. 240-300 Seiten
Buch und eBook – Books on Demand Norderstedt (BoD.de), AmazonThalia uvm.
PDF (downloadlink), Buchlayout (2seitig)/Medienlayout (1seitig) über
https://falkenbourg.de/shop/ 
Kontakt: xento@falkenbourg.de  (xfwerk, fürth)

xfwerk visite 354x218px
Wie Sterne in der Nacht Huhn1

4 Kommentare

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.