Ihm würden Flügel wachsen

Wie Sterne (1.1.2)-Symphonien in blau (xfwerk-2.Auflage)-C-M1-Internet-0720

Auszug aus (1.1) Symphonien in blau. Am nächsten Tag, Donnerstag, dem 30.11.1972 setzt Kriminalpolizeidirektor Armin Ruhler die in der Nacht besprochenen Pläne um. Friedmann Brehmer, ein verdeckter Ermittler seitens des BND sucht schon länger Zugriff auf sein Dezernat. Als Vertretung im Morddezernat kann er sich jetzt über die Adventszeit bewähren. Was genau Brehmer antreibt, diesen Zugang unbedingt haben zu müssen, kann ihm dieser nicht erklären, da ja – wie immer – alles so schrecklich geheim ist. Ruhler vertraut dem Mann und seltsamerweise findet seine Ehefrau Sophia diese Idee richtig gut, als er ihr beim Frühstück – gegen seine üblichen Gewohnheiten verstoßend – davon erzählt. Auch den Rest des Plans, den Tausch der beiden Hauptkommissare und alles weitere…. Komischerweise bezweifelte er niemals die Loyalität und Vertrauenswürdigkeit seiner Frau, einzig ihr Interesse daran. Dass seine Frau die Namen der beiden Kommissare kennt und genau weiß, wo die bisher hingehören und wie sie hierarchisch aufgehängt sind, erstaunt ihn bei allem am meisten. Er hätte zuvor noch geschworen, dass sie nahezu gar nichts von seiner Arbeit weiß, nicht einmal den Namen seiner Sekretärin. Aber, als er es testweise überprüft, liefert sie ihm im Gegenzug sämtliche persönlichen Daten, den Familienstand, zuzüglich aller Spekulationen aus dem Büro bezüglich ihrer Person und seiner Beteiligung…. Sie war vor einigen Jahren sein Eheverbrechen, sein Seitensprung und seine Frau weiß das alles haarklein, obwohl er ihr niemals etwas dazu gebeichtet hat…. Eine intensive Polizeiparty. Er gibt sich dem Alkohol zu sorglos hin und sie ebenso. Da sie beiden sich seit jeher gern mögen, rückt man aufgrund dröhnender Hintergrundkulisse im Gespräch näher zusammen und dabei bekommt ihre Bluse Rotwein aus seinem Glas ab…. Das ist ihm natürlich unendlich peinlich und es tut ihm furchtbar leid, dass sie jetzt so verschandelt hier rumsitzen muss. Was sie urkomisch findet. Irgendwann hilft er ihr vorsichtig die Bluse trickreich nach innen zu falten, wie seine Frau das einstmals in ähnlicher Situation tat. Dabei berührt seine Hand ihren Ausschnitt und sie, ordentlich beschwipst, sinniert keck darüber, was denn wäre, wenn jetzt irgendwer sie so zusammen sehen würde. Daraufhin müssen sie unbedingt Bruderschaft trinken, um sich dann ewig darum zu streiten, ob man sich denn jetzt dabei wirklich auf den Mund küssen muss, dass es gilt…. Wer auch immer die Argumentation mit dem Mundkuss favorisierte, gewinnt am Ende, sie geben auf, da keiner mehr weiß, wer denn jetzt der Gegner des Mundkusses gewesen ist und wer nicht…. Dieser Kuss wird dummerweise länger als beiden guttut. Plötzlich sind sie in seinem Zimmer und Bett und bis heute kann er nicht sagen, ob sie wirklich miteinander geschlafen haben, da er dafür – laut eigener Ansicht – viel zu betrunken war. Sie sollte es wissen, sagt er sich all die Jahre, da sie ein anständiges Mädchen ist und sicher noch Jungfrau – wenn ja, dann hinterher nicht mehr. Aber darüber wollen sie beide nie wieder so detailliert reden und deshalb weiß er es bis heute nicht. Am nächsten Morgen wachen sie splitternackt Arm in Arm auf und das ist für beide die pure Katastrophe!- Er hat nur noch Angst seine Familie, seine Kinder zu verlieren, seine Frau würde sich nun von ihm scheiden lassen.— Aber sie, Sophia, seine Frau versichert ihm, das würde sie niemals wollen und er ja genauso wenig. Seitdem geht er vorsichtig mit Alkohol um. Selbige Sekretärin verkuppelt er geschickt und zwischenzeitlich ist sie mit dem Mann glücklich verheiratet und im Büro läuft alles harmonisch zwischen ihnen ab. Beiden ist der Vorfall schrecklich peinlich und vor lauter Scham wären sie gerne vor einander geflohen, was aber beide als feige ansehen und sich damit mutig der Situation stellen und festlegen…. “Wir sind ein gutes Team. Das gefährden wir niemals wieder…!!“— Ruhler ist an diesem speziellen 30. November in ganz seltsamer innerer Stimmung, als er das Büro betritt. Er fühlt sich fast so, als habe er sich eben erneut in die eigene Ehefrau verliebt und das fühlt sich sagenhaft gut für ihn an…. Polowsky ist dann auch gar nicht so entsetzt – wie befürchtet – als er ihm seinen Vorschlag präsentiert. Er meint sofort, Polnischer und er haben sich so etwas schon als Lösungsmöglichkeit gedacht, da Wilmers und Holm einfach ganz ähnlich unterwegs wären wie sie selbst und sie somit genausogut künftig ein gemischtes Doppel spielen könnten…. Ruhler kriegt langsam das Gefühl ihm würden Flügel wachsen. Gestern den ganzen Nachmittag über solche Bemerkungen ob dessen, wie sehr man ihn persönlich mag und dann seine Frau, die ihm Absolution erteilt und beteuert, immer noch ganz klar und felsenfest an seiner Seite zu stehen, auch wenn sie darum wisse, dass er das manchmal in Zweifel zieht. Damit hat er ganz einfach Unrecht!- Punkt, nichts weiter. Keine Bitte um Entschuldigung, Erklärungen, Gespräche. Nein. Die klare Bereitschaft sich auch weiterhin zufrieden zu geben, mit dem, was er ihr bieten kann. Dann erwähnt sie in einem kleinen Nebensatz, sie würde ihn noch immer lieben…. Deshalb jetzt schon langsam diese Flügelansätze an seiner Rückfront…!!   

©xento-falkenbourg (xfwerk) – Jugendliche ab 16 / Erwachsene, je Teilband ca. 240-300 Seiten
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Wie Sterne in der Nacht Huhn1

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