Idylle im Chaos

Wie Sterne (1.3.2)-Seelenverwandte (xfwerk-2.Auflage)-C-M1-Internet-0720

Auszug aus Band 1.3 Seelenverwandte. Die Charakteristik des Grünen Tals ist typisch für diese Zeit und Gegend. Nichts daran ist sonderlich dramatisch oder gar noch prosaisch zu nennen. Dieses Tal erfährt, genau wie alle anderen der Art, eine Entwicklung, wie sie sich in den letzten 30 Jahren überall in der auslaufenden Bergwelt zuträgt. Die in Schwarzwaldanreihen weitläufig gebauten mächtigen Höfe mit ihren tief heruntergezogenen Dachgauben, manchmal bis fast auf den Boden reichend, als Wärmeschutzpolster gegen die ungünstigen klimatischen Verhältnisse in Wald und Flur, sind für uns zum Wahrzeichen geworden. Nostalgie pur aus der Vergangenheit…. Vielfach im Märchenbuch festgehalten und heutzutage auf Abenteuertouren – durch den dunkel-finsteren Wald – als Oase vorzufinden in grünumsäumten, sonnenverwöhnten Wiesentälern. Auch kennt man sie als Gasthöfe größerer Statur an Durchfahrtstraßen, als verträumte Ferienwohnung ganz hinten am Ende des einsamen Tals oder eben auch als kleinere Gaststätten mit Übernachtungsmöglichkeit in vielen kleineren Schwarzwalddörfern um uns herum. Sind wir denn hier in den mittleren Bergen in Urlaubslaune und vielleicht auch noch hungrig unterwegs. Und da man in Urlaubslaune meinst nur die Romantik und nicht die damit verbundene Dramatik wahrnehmen will, bleibt alles Nostalgische als angenehme Erinnerung in unseren Köpfen zurück. Aber für die Bauersleute Vorort in unserem Urlaubsquartier waren wir vielleicht gerade noch die letzte rettende müde Mark, die diese vor dem Untergang ihrer alten Kultur bewahren konnte. Denn in verflossenen Tagen war es oft schon schwer genug die Bürde einer solchen Heimstatt zu tragen. Die Familie mit all ihren Bedürfnissen musste sich jahrhundertelang gefügig unterordnen, es galt die Quelle ihres Lebens zusammenzuhalten. Als Grundlage allen Denkens anzusehen. Lohn/Taschengeld, wie wir das in heutiger Zeit selbstverständlich heißen, gab es für Knechte, Mägde und Kinder des Hofes im Regelfall nicht, sie gehörten zur Familie, profitierten somit am Reingewinn der Sache, benötigten deshalb kein Entgelt für ihre Mühen. Waren sie doch zumeist ältere Geschwister des jüngsten erbenden Bauernsohns. Geschwister, die es nicht schafften, sich über Ehe mit einem anderen, reicheren Hof zu verknüpfen. Ihre alternden Eltern wurden ins Nachbargebäude umquartiert, ins Libding oder Leibgeding, sobald der Erbe übernahm. Damit konnten die sich weiterhin um leichtere Aufgaben am Hof kümmern und die andere Arbeit ging nun komplett und eigenverantwortlich an die nächste Generation über. Heutzutage kann solch ein traditionell betriebener Hof so einfach keine Großfamilie mehr ernähren. Nicht bei den sinkenden Preisen um Eigenerzeugnisse, den vielen Günstigangeboten aus dem Ausland um uns herum. Nicht bei den ganzen Anforderungen, die unsere Gesellschaft an uns parallel stellt. Schulpflicht nur als eines der vielen Themen anzusehen. Und Kinderarbeit wird geahndet. Etwas, das so einem Hof in früheren Zeit sein Überleben sicherte. Und und und. Die weiterentwickelte, gesellschaftlich kultivierte und zusammenwachsende Welt als solches eine Vernichtungskampagne für die kleine gewachsene Welt direkt vor unserer Haustür. Da muss man sich heutzutage gewaltig was einfallen lassen, dass es auch nur einem einzigen Mann und seiner Frau und Kindern genügend zum Überleben bietet. Weshalb die Meisten langfristig gesehen aufgeben und weiterziehen. Ihr Glück kurzerhand woanders suchen gehen. Aber manch einer hält auch heute noch wacker daran fest und eisern durch. Bereit sich nötigenfalls auch durch härtesten Stahl durchzubeißen. Aber dafür bleibt er im Leben alleine. Welche Frau wollte sich so ein armseliges Leben freiwillig aufbürden?- So auch unser alleinstehender Bauer Egon mit seinem lieben Vieh, der im Mai ’68 als Antwort auf seine Träume der Einsamkeit eine rosafarbene Bären-Ballerina vor seine Mistgabel geliefert kriegt.

©xento-falkenbourg (xfwerk) –  Jugendliche ab 16 / Erwachsene, je Teilband ca. 240-300 Seiten
Buch und eBook – Books on Demand Norderstedt (BoD.de), AmazonThalia uvm.
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Kontakt: xento@falkenbourg.de  (xfwerk, fürth)

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