Idylle im Chaos

Zeitgleise Auf neuen und auf alten Gleisen, in einer vertrauten und doch fremden Zeit

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Zeitgleise-1.7.2-Seelenverwandte-xfw1.Auflage-B-LP

Auszug aus Seelenverwandte. Die Charakteristik des Grünen Tals ist typisch für diese Zeit und Gegend. Nichts daran ist sonderlich dramatisch oder gar noch prosaisch zu nennen. Dieses Tal erfährt, genau wie alle anderen der Art, eine Entwicklung, wie sie sich in den letzten dreißig Jahren überall in der auslaufenden Bergwelt zuträgt. Die in Schwarzwaldanreihen weitläufig gebauten mächtigen Höfe mit ihren tief heruntergezogenen Dachgauben, manchmal bis fast zum Boden reichend, als Wärmeschutzpolster gegen ungünstige klimatische Verhältnisse in Wald und Flur, wurden zum Wahrzeichen. Nostalgie pur der Vergangenheit… Vielfach im Märchenbuch festgehalten und heutzutage auf Abenteuertour durch finster dunklen Wald als Oase definiert in grünumsäumten, sonnenverwöhnten Wiesentälern. Auch kennt man sie als Gasthöfe größerer Statur an Durchfahrtstraßen, als verträumte Ferienwohnung ganz hinten am Ende des einsamen Tals oder eben als kleinere Gaststätte mit Übernachtungsmöglichkeit in vielen Schwarzwalddörfern. Ist man in Urlaubslaune in den mittleren Bergen unterwegs und vielleicht auch hungrig. Da man in dieser Stimmung meinst nur Romantik und nicht damit verbundene Dramatik wahrnimmt, bleibt alles Nostalgische als angenehme Erinnerung in den Köpfen zurück. Für die Bauersleute Vorort im Urlaubsquartier war es vielleicht grad noch die letzte rettende müde Mark, die sie vor dem Untergang ihrer alten Kultur bewahren konnte. Schon in verflossener Zeit war es oft schwer genug, die Bürde solcher Heimstatt zu tragen. Die Familie mit all ihren Bedürfnissen musste sich jahrhundertelang gefügig beugen, es galt den Lebensquell zusammenzuhalten. Als Grundlage allen Denkens anzusehen. Lohn/Taschengeld, wie wir das in heutiger Zeit selbstverständlich heißen, gab es für Knechte, Mägde und Kinder des Hofes im Regelfall nicht, sie gehörten zur Familie, profitierten somit am Reingewinn der Sache, benötigten deshalb kein Entgelt für ihre Mühen. Waren sie doch zumeist ältere Geschwister des jüngsten erbenden Bauernsohns. Geschwister, die es nicht schafften, sich über Ehe mit einem anderen, reicheren Hof zu verbinden. Ihre alternden Eltern wurden ins Nachbargebäude umquartiert, ins Libding oder Leibgeding, sobald der Erbe übernahm. Damit konnten sie sich weiterhin um leichtere Aufgaben am Hof kümmern und die andere Arbeit ging nun komplett und eigenverantwortlich an die nächste Generation über. Heutzutage kann solch ein traditionell betriebener Hof so einfach keine Großfamilie mehr ernähren. Nicht bei den sinkenden Preisen um Eigenerzeugnisse, den vielen Günstigangeboten aus fernerer Region. Nicht bei den ganzen Anforderungen, die unsere Gesellschaft an uns parallel stellt. Schulpflicht nur eines der Themen. Kinderarbeit geahndet. Etwas, das solchem Hof in früheren Tagen sein Überleben sicherte. Und und und. Die weiterentwickelte, gesellschaftlich kultivierte und zusammenwachsende Welt als solches eine Vernichtungskampagne für die kleine gewachsene Welt direkt vor der Tür… Da muss man sich heutzutage ordentlich was zu einfallen lassen, dass es auch nur einem einzigen Mann und seiner Frau und Kindern genügend zum Überleben bietet. Weshalb die Meisten langfristig gesehen aufgeben und weiterziehen. Ihr Glück kurzerhand woanders suchen gehen. Aber manch einer hält auch heute noch wacker daran fest und eisern durch. Bereit sich nötigenfalls auch durch härtesten Stahl durchzubeißen. Aber dafür bleibt er im Leben alleine. Welche Frau wollte sich so ein armseliges Leben freiwillig aufbürden? So auch unser alleinstehender Bauer Egon mit seinem lieben Vieh, der im Mai 1968 als Antwort auf seine Träume der Einsamkeit eine rosafarbene Bären-Ballerina vor seine Mistgabel geliefert kriegt..

©xento-falkenbourg (xfwerk)
ab 16 / je Teilband (Buchdruck 13,5×21,5) ca. 340-450 Seiten
Buch und/oder eBook bei BoDTwentysixAmazonThaliaNextory
eBook und PDF (downloadlink), Buchlayout (2seitig)/Medienlayout (1seitig)
bei uns https://falkenbourg.de/shop/ 
Kontakt: xento@falkenbourg.de  (xfwerk, fürth)

3 Kommentare

  1. und dann kommt ganz was anderes als man denkt
    ist immer für Überraschungen gut, unser Xento
    höhö hö 🙁

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