Heilige Scheiße

Zeitgleise Auf neuen und auf alten Gleisen, in einer vertrauten und doch fremden Zeit

Leseprobe zum reinklicken und durchblättern…
Zeitgleise-1.5.1-Symphonien-in-blau-xfw1.Auflage-BL-LP

Auszug aus Symphonien in blau. Mósesar spürt, wie tiefer Ekel seine Speiseröhre hinaufklettert. Schon oft ist es ihm so ergangen… Wie er nur in diese Familie hineingeboren werden konnte, ist ihm schon immer ein Rätsel gewesen?! Das, was sie als heilig empfinden, da möchte er immer noch das Wort Scheiße hinten mit dranfügen… Und er kann sich auch nicht vorstellen, dass wirklich alle seiner Brüder, Onkel und Cousins so drauf sind… Das kann so nicht sein?! Aber wenn du hier in diesen Hallen zu laut in anderen Bahnen denkst, liegst du schnell als nächster auf dem Esstisch drauf. Und wenn du Pech hast, dann lebst du noch… Das musste er schon viel zu oft miterleben… Seine liebsten Brüder und Cousins durfte er mit aufessen!! Wie er diesen Laden hasst!! Dafür, wofür ihre Ehrenburg steht. Dieser missverständliche Name wurde wohl rein sarkastisch gewählt! – Sein kleiner Bruder war erst fünf Jahre alt! Aber er wurde einfach kein richtiger Wolf! … Fing dauernd zu heulen an. Wie es die jungen Mädchen in ihrer Küche ständig tun… Ein Wolf darf so etwas nicht! Außer er heult wie ein Wolf. Als Gesang betrachtet und furchteinflößend im Klang… Aber der kleine Ekke, der hatte einfach nur Angst und deshalb heulte er sich dauernd die Augen aus. Es klang jämmerlich und deshalb wurde er am Ende aufgegessen! – Eine heilige Scheiße!! Alles zusammen! Verflucht und verdammt sind sie alle! – Jedes Mal musste er mitessen. Hätte er sich geweigert, wäre er längstens tot. Aber vielleicht wäre das tatsächlich besser! … Was hat Rykad gerade erzählt? Dieser Romanow hat sich ausgerechnet hier in ihrem Wald mit seiner Familie versteckt?! Ganz schön absurd, was manche sich für Orte raussuchen, wenn sie nach Sicherheit gieren… Bestimmt ist er noch nicht lange hier. Gewesen, wie sich das eben anhörte… 1960 ging plötzlich die Rede um. Dass es einen aus der Zarenlinie noch gibt. Und er hätte einen Sohn… Wie alt war er damals? Mal überlegen – zehn Jahre hieß es. Das heißt, der arme Kerl ist jetzt immerhin schon fünfzehn. Dann werden ihn seine Peiniger nicht einfach nur totschlagen… Der muss bestimmt noch ein paar ganz andere Dinge durchstehen… Oh Himmel nochmal! Rykad erzählt, dass Familie und Freunde bereits abgeschlachtet wurden, während der Sohn die neugeborene Schwester wegbrachte. Wohin wissen sie nicht… Der Zwilling war eine Totgeburt. Damit hoffen die Romanows, könnte das Mädchen im Geheimen überleben, falls man sie im Wald aufspürt?! … Was ja zwischenzeitlich passiert ist! Wahrscheinlich sind sie in der Ehrenburg zusammen mit dem 15jährigen Nicolai Piotre Kusmin die einzigen, die wissen, dass es den lebenden Zwilling gibt… Wenn da mal nicht seine eigene Familie dahintersteckt? – Dass das Versteck der Romanows entdeckt wurde? Könnte durchaus ein wölfisches Werk sein… Wenn er hier bloß wegkönnte, ohne gleich die ganze Meute an den Fersen heften zu haben. Dann könnte er den Jungen wenigstens befreien, vielleicht sogar gesund pflegen? Viel wahrscheinlicher aber, benötigt er nur noch Erbarmen… Einen, der ihm hilft, schneller abzutreten… Er hat bestimmt ausreichend viel Grausamkeit abbekommen, dass er gegen den Tod nicht mehr viel einzuwenden hat… „Oh Herr im Himmel!“ – Auch wenn er als Wolf nicht an ihn glauben sollte, so hofft er doch immerzu, dass er sich hier endlich einmal einmischen möge… Es ist ihm langsam ganz gleich wie genau. „Und wenn wir alle am Ende mausetot wären… Auch schon egal. Solch ein Grauen, solche Düsternis braucht keiner! Nicht Morgen! Nicht gestern! Zu keiner Zeit! Und Heute am allerwenigsten!!“ – Er wird gehört! Tatsächlich gehört. „Danke!“ – „Unendlichen Dank, sag‘ ich Dir!“ – Mósesar ist noch immer gänzlich verblüfft. Normal kommt man mit solchen Erfahrungen doch wenigstens aufs nächste Kirchenblatt in der Umgebung! Aber leider, leider, kann er niemanden darüber etwas berichten… „Danke, du da oben! Dass du anscheinend sogar auch dafür noch Verständnis aufbringen kannst!“ – Mynnard, ebenfalls einer seiner wilden Brüder, trifft gerade eben mit einer erbeuteten Fleischladung ein… Frisches Lamm. Ganz zart. Bestimmt eben noch bleckend neben seiner Mama auf der Wiese gestanden… Wie es gerade aussah – so rein nach der Menge des Fleisches bemessen – wurde gleich der ganze Kindergarten aus der Schafkolonie geraubt. Und seine Brüder, Onkel und Cousins strömen jetzt allesamt mit Begeisterung in die große Halle rüber, wo die Tiere zubereitet werden. Damit dürfte seine Familie für eine gute Weile beschäftigt und genügend abgelenkt sein. Bis sie merken, dass er gar nicht mehr da ist, hat er doch wenigsten ein bis zwei Stunden Vorsprung. Das muss er für sich nutzen. Sofort jetzt!   

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6 Kommentare

  1. Heilige Scheiße hört man nicht alle Tage im Bezug auf Fantasy und ist deshalb schon mal ein cooler Name…

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