Veste Brandenfels

Zeitgleise Auf neuen und auf alten Gleisen, in einer vertrauten und doch fremden Zeit

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Zeitgleise-1.5.1-Symphonien-in-blau-xfw1.Auflage-B-LP

Die Myrmidons halten sich bevorzugt im Abseits, nicht nur gegen die Welt selbst betrachtet, sondern genauso auch gegenüber anderen Schwarzbärvölkern, denn sie rauben deren stärksten Nachwuchs in den Nachbarlagern. Deshalb ist der Brandenfels nochmals versteckter und besser abgesichert als alle anderen Wandelburgen zusammen. Sollte man jedenfalls meinen. Man erzählt sich von ihnen, dass nicht einmal die eigenen Leute genaueres darüber wissen und die gesamte Ausdehnung ihrer Welt korrekt einschätzen könnten. Auch hört man bisweilen, dass der Brandenfels viele Gesichter habe…. Nun jedenfalls liegt er im Brosphka (Balkan) im nördlichen Griechenland.

Auszug aus Symphonien in blau. (Marek) „Wie groß ist denn um Himmelswillen der Brandenfels? So wie du darüber sprichst, klingt es nach mehr als einer Dorfgemeinde?! Vielmehr ist das doch aber gar nicht? Eine Wandelwelt? Eine größere Burganlage umgeben von Äckern und Wald. Mit entsprechendem Viehbestand im Wald und in domestizierter Fassung auf umzäunten Wiesen und im Stall. Entsprechend viele Mijnnsklaven, für die bäuerliche Arbeit auf den Feldern, in den Ställen, zur Weiterverarbeitung der Erzeugnisse und um in der Burg die vornehmen Gowinnyjen zu hofieren, ihnen nachzuputzen, sie zu bekochen, ihre Kleidung pfleglich sauber und knitterfrei zu halten. Ebenso, wie bedrohtes, unterwürfiges Dienstpersonal handelt… Wir sind alle miteinander Sklaventreiber. Wir achten nicht groß drauf, wen wir zum Sklaven küren, wen wir nebendran abstechen. Manchmal stirbt eine ganze Familie mit zig Familienmitgliedern, weil wir einen neuen Stallburschen brauchen. Sonst keinen. Fünf Minuten später zieht der nächste los, eine Küchenmaid zu suchen und schlachtet die nächste Familie ab. In der ersten wären bereits drei passende Mädchen gewesen. Aber da wusste man noch nichts um diesen neuen Bedarf… Das kannst du nicht schönreden! Egal wie du‘s nennst. Wir sind und bleiben Monster, die irgendwer wegsperren wollte… Er warf nur leider den Schlüssel zum Tor nicht weit genug weg…“ – Marek strandet schlagartig in seiner für ihn typischen Trübsal Stimmung. Eine Stimmung, die kaum ein Lächeln zulässt, weil die Welt verkommen ist, so wie sie ist. Und solange man das nicht bereinigen kann, gibt es nichts zu lachen. Aber wenigstens lächeln kann er ab und an. Grad über seine Lieblinge im Hier und Jetzt der Russenburg. Eigentlich auch über diesen neuen jungen Freund, der noch nicht allzu viel Finsternis auf Erden miterleben musste und deshalb für die Gowinnyjenwelt freundliche Worte übrig hält. Hoffentlich bleibt das für ihn noch lange Zeit erhalten… Mit dieser Düsternis in ihm drin, kam seine Hoffnungslosigkeit auf. Die erbärmliche Hilflosigkeit, zu glauben, man kann eh nichts tun. Aber er konnte sich beweisen, dass doch immer irgendwo was änderbar ist. Man muss nur genau hinsehen, dann entdeckt man für sich die geheime Ecke und fühlt sich hernach wenigstens ein kleines Quäntchen besser… (Marmaduke) „Magst du noch eine Antwort hören? Auf deine Frage wie groß?“ – (Marek sentimental) „Ja gerne. Entschuldige…“ – (Marmaduke) „Wenn ich dich so betrachte, grad jetzt, frage ich mich, ob ich überhaupt erwachsen werden will?! Wenn alles nur noch düster, finster erscheint?! Man nirgendwo mehr einen Regenbogen erblickt? … Für mich hängt der Himmel voll davon und es geht nur darum, den jeweilig Zuständigen rauszupicken, der die Sicht wieder blankpoliert. Damit es alle sehen können, wie schön es ist! Wie friedlich es sein kann!! – Aber zurück zu deiner Frage: Ursprünglich dachte ich, der Brandenfels bestünde nur aus genau einem Konstrukt, wie du es beschreibst. Eine kleine, mittlere oder auch größere Burganlage, vergleichbar mit denen der Menschheitsgeschichte aus dem zwölften Jahrhundert bis sagen wir mal Ende sechzehntes Jahrhundert?! Und, wenn du NN zuhörst, hat das auch seinen Grund: die Kreativen dahinter hatten Zeitseher neben sich stehen… Die Zeres oder Asen genannte, sollen selbst fantasielos gewesen sein. Das heißt sie holten sich ihre Inspiration an anderer Stelle ein. Unter anderem aus der künftigen Menschenwelt. Die Steinburgen des Mittelalters haben sie wohl genauso begeistert, wie Sandburgen kleine Kinder… Will heißen, unsere Wandelwelt könntest du gut als Vorlage der Mittelalterlichen Welt betrachten. Beispielsweise soll die Burg Eltz im Moseldelta recht stark an das Detteljoch der Croixs von der südlichen Schattenburgküste erinnern!? Nur, dass das Detteljoch formal nicht in einer Hügellandschaft integriert ist, sondern im flachen Wüstensand liegt. Aber das gilt nur für die umliegende Landschaft. Glaub‘ mir. NN war in einigen Burgen drin und er erzählt von allen dasselbe: »Eine angenehme Mittelgebirgslandschaft im gemäßigten Klima Mitteleuropas der heutigen Zeit eingebettet«. So angelegt während der Eiszeit… Nicht zu kalt und nicht zu warm. Wunderschön grün und blühend im Sommer, etwas Schnee und Eis im Winter. So wie die Natur sich selbst am einfachsten reguliert… Die Wartburg, auch so ein stolzes Urgestein in Thüringen hinterm großen Vorhang, soll wiederum große Ähnlichkeit mit eurer Ehrenburg aufzeigen?! Das kannst du doch sicherlich direkt dementieren oder bestätigen? Schloss Moyland mit seinen romantischen Türmchen und Balkonen in NRW soll sich Burg Löwenstein der Konarfamilie Sorrensz ziemlich gut annähern. Rein architektonisch. Nur, dass der große Wasserlauf fehlt. In Schlesien gibt es nur einen winzigen Plätscherbach, der unter der langgestreckten Brücke durchfließt.“ – (Marek) „Der Brandenfels? Wie sieht es mit dem aus?“ – (Marmaduke) „Kennst du dich in Franken etwas aus? Südwestlich von Ansbach liegt ein kleineres gemütliches Städtchen, dass von der richtigen Warte betrachtet noch genauso mittelalterlich wirkt wie eh und je. Dinkelsbühl heißt es. Das ist zwar um ein zigfaches größer, als der für mich sichtbare Anteil des Brandenfels. Für mich wirkt es aber vergleichbar. Umgeben von lauschigen Wiesen und Wäldern, abgeschirmt von der lauten umgebenden Welt… Wie gesagt, erst als ich rauskam und Laslo traf, der genauso im Brandenfels zuhause war und mich genauso wenig kannte wie ich ihn, erst da wurde uns klar, dass wir nur einen winzigen Bruchteil des Spiegels sahen. Ob sich das je geändert hätte, bleibt ungewiss…“ – (Marek) „Was erzählt Laslo an der Stelle?“ – „Dass sein Anteil des Paradiesgartens große Ähnlichkeit mit der beschaulichen Pfarrgasse in der Fürther Altstadt aufweist. Eine versteckt liegende enge, bunte, abenteuerlich gewundene und ziemlich kurze Gasse auf Pflastersteinniveau… Nicht die Feudalausgabe von irgendwas, wie mein mittelalterliches Städtchen mit stolzer Festungsmauer und Wehrtürmen… Er hatte vielmehr das Gefühl, das Ende seiner Welt, sprich die letzte für ihn sichtbare Häuserwand, lehne direkt an einem Baum in der Mijnnwelt an – oder vielleicht auch dort an einer weiteren Häuserwand?! Und seine kuschelige Gasse wäre dort nur zwischenrein gezwängt…“ – „Das heißt bei ihm gab es keine Ländereien, Äcker, Wälder und Ställe?“ – (Marmaduke) „Doch. Natürlich. Autark… Das gesamte schmalzackige Gassengeflecht führte ebenso über Stufen nach unten in den Wiesengrund hinunter, wie es das in der Fürther Altstadt tut. Deshalb fühlt er sich dort auch so wohl und zuhause. Mehr noch als ich, muss ich zugeben…

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