Gestern im Eis

Zeitgleise Auf neuen und auf alten Gleisen, in einer vertrauten und doch fremden Zeit

Leseprobe zum reinklicken und durchblättern…
Zeitgleise-2.9.1-Der-Weltenbund-xfw1.Auflage-B-LP

Auszug aus Symphonien in blau. Seine Kindheit war geprägt von Geschichten um die Schlacht im Gletscher von Vǽlkyanden, die überall im Flüsterton umherwanderten und in jeder neueren Fassung noch ein wenig spektakulärer wurden, als noch in der letzten Runde. Wenn man als Langohr nicht zu arrogant war, auch die geheimen Tuscheleien unter den Dienern zu bespitzeln – was Antaryon nie war – konnte man dort nochmals mehr brisante Untertöne durchspitzen fühlen, die sich die Zeres gar nicht mehr trauten auszusprechen. An diesem Tag im Gletscher von Vǽlkyanden wurde den Zeres bewiesen, dass sie nicht die Herren der Welt sind. Dass es nochmals ganz andere Kräfte gibt, die sich einmischen können. Gegen die auch sie nur hilflose jammernde kleine Kinder sind und all ihre Arroganz und Überheblichkeit, nutzt ihnen letztlich nichts. Am Ende sind auch sie tot! … Männer und Frauen, die in der Schlacht fielen, inklusive ihrer Pferde und allem, was sie bei sich trugen, lösten sich in Nichts auf. Versanken im dichten Schnee auf der Gletschereisfläche, der dafür aber eigentlich nicht tief genug war. Aber sie versanken. Komplett. Mit Mann und Maus, alles wie von Geisterhand verschluckt… Man spürte ein aufsteigendes Grauen um sich, wie, als wenn die Hölle unter dir überkochen wollte, wie überschäumendes Wasser auf deinem Herd… Die Hölle brodelte, fing an zu keuchen und zu spucken, so gewaltig ging es ihr gegen den Strich, all dieses Elend bei sich einquartieren zu müssen… Deshalb, nur deshalb, weil es diesmal einfach zu viel war! Nur deshalb entsendete sie eine graue Rauchwolke, vielleicht aus Gas bestehend, anfangs noch sehr klein. Diese Gaswolke, die von überall her neue kleinere Rauchwolken zu sich hinzog und immer größer wurde, immer mehr anwuchs, umso mehr graue Rauchsubstanz der Hölle entwich… Von überall her auf dem gesamten Gletscher strömte es in kleineren Rauchsäulen, grauen Gassäulen – in jedem Fall säulenförmig – wie es da aus dem darunterliegenden Gletschereis entwich. Diese Wolke, die sich immer weiter ausbildete und so langsam das gesamte rote Massaker der Ebene überdeckte, weitete sich noch mehr aus, kroch ein um den anderen Moment noch ein wenig weiter über den blutbesudelten Boden hinweg auf den Rand der großen Ebene zu… Um sich am Ende nach oben umzuformen, die Ebene, den blutgeschwängerten Boden dabei grau und gänzlich entfärbt zurücklassend. Wie Asche nach einem riesenhaften Brand, bei dem keine Trümmer, keinerlei Überreste wie blanker, grauer, dünnporiger Aschestaub übrig ist, der von der nächsten Windböe fortgetragen werden kann und dem was grad noch war, jedes Recht auf Erinnerung ersatzlos gnadenlos entreißt. Es nicht wert befindet, dass man darum erfährt, dass beendet wurde, was nicht hätte geschehen dürfen. In keiner Geschichte sollte es je aufgeführt werden. An diesem Tag wurde das Leben selbst beleidigt und so auf die Füße getreten, dass es sich den Tod zum Partner wählte, um dem Treiben ein jähes Ende zu setzen… Über die gesamte weite Ebene wob sich diese bleischwere graue Dunstmasse, der schwergewichtige Nebel, das ungesund, abgrundtief böse angefühlte Gas und stieg gen Himmel auf. Immer höher. Es erweckte den Eindruck, als würde es alle Existenz, alles Leben mit sich zerren. Es hinauf in die allerhöchsten Sphären tragen, um es am Ende genau da loszulassen… Außerhalb der lebendigen Welt! – Mit einem Mal wurde der Himmel klar und durchsichtig… Genau wie ihr auf Asgard gekürtes Gemisch Wüyhwvrox. Ihr Sammelbegriff für eine Gruppe amorpher Feststoffe, die sie schufen. Einseitig durchsichtig oder auch beidseitig, das Material, das sie für ihre Traijnks und ihre durchsichtigen Dächer verwenden. Durch die man sogar auf Wunsch selbst einen Schneesturm jagen kann, eine Windböe durchpusten lassen oder einen plätschernden oder auch wüste trommelnden Regenguss inszenieren, teilweise durchdringend, wie ein poröses altes Dach, das man dringend reparieren sollte… Das Ganze natürlich in angenehmster Temperatur… Warmer Schnee. Doch wahrlich eine nette Vorstellung von Müßiggang! Bedrohliche Natur in Streichelfassung für zuhause dargeboten… Die von ihnen gekürte feste Substanz – ganz sicher nur sehr begrenzt verfügbar, es ist ausgesprochen aufwendig zu produzieren – dieses magisch erzeugte Kunstgemisch aus ursprünglich irdener Materialität schien sich gerade mit irdischem Himmelsgrau verwoben zu haben und das Ergebnis ist doch zumindest von unten betrachtet durchsichtig! Genauso durchsichtig wie manche anrüchigen Dächer in Vreemarr… Dieser angefühlte Riss, in dem großen geschlossenen Grau über ihnen, zieht sich immer weiter auf, kriecht immer weiter um sie. Und sie fürchten schon, die große Kugel unter ihnen würde am Ende noch aus ihrer Halterung springen, wenn nichts mehr übrig bleibt, das sie festhält?! – Ein inneres Jammern ertönt, ein Krächzen, ein Stöhnen und Wimmern und doch zieht es sich weiter fort… Das Loch über ihnen im Himmel überdeckt bereits die gesamte Fläche der großen Ebene über dem Gletscher und um ihn herum und es wächst immer noch weiter… Die ehemals lebenden Seelen, der nun auf ewig verdammten Toten, in dieser gasförmigen Wolke gefangen, reißen den Himmel entzwei und alles was dort jemals existierte, wird genauso vernichtet wie zuvor sie selbst, ihre Leiber, ihre Tiere, ihre Ausrüstung, ihr ganzes Sein, ihre Existenz… Ausgelöscht. Hinabgerissen in die Unterwelt. Ausgehaucht… Genau das geschieht nun mit dem Himmel darüber. Der wortlos zusah, wie ihnen geschah. Der sich nicht einmischte, ihnen gar zur Hilfe eilte… Nun nehmen sie ihm alles weg, was ist, reißen alles erbarmungslos entzwei, was eben noch zusammenhielt… Loki und Thantos, beide am Rande des großen Gletschers stehend, sie waren selbst an der Schlacht nicht beteiligt, kamen erst ganz am Ende dazu, als das Wirkliche aus der Welt daraus bereits verschwunden war… Sie wollten eigentlich nur herausfinden, wie es steht, ob sie noch weitere Truppen entsenden sollten, oder ob die bereits vorhandenen zurechtkommen… Aber an diesem denkwürdig schrecklichen Tag kommt keiner zurecht, der beteiligt ist. Jedweder, der sich einmischt, wird augenblicklich mitverbannt, in den Abgrund der Hölle selbst hinuntergezerrt. Zuvor dazu verdammt, alles was ist, was lebt, atmet, existiert zu vernichten… Auf der gegenüberliegenden Seite der weiten Fläche steht ein einzelner Mann. Alleine. Völlig ruhig. Bewegungslos. So wie sie selbst auf ihrer Seite. Doch sie spüren ihn vibrieren. Fühlen seine innere Wut brodeln, langsam aber sicher hochkochen. Auch er scheint nicht dabei gewesen zu sein. Ist emotional gewaltig belastet. Dass dieser Kampf so grausam blutgeschwängert enden muss…

Zeitgleise. Wie Sterne in der Nacht gestalten sich bald schon die Anhänger von Licht und Dunkelheit. Es gibt unglaublich viele und Mancher bewirkt Entscheidendes für seine Welt. Er/sie muss nur selbstlos und unerschrocken aus dem Schatten ins Licht treten, Durchsetzungswille mitbringen genauso wie Zuversicht. Alles andere regelt sich. Doch das Ende der Zeit ist seit langem beschlossen und seit 25000 Jahren den Zeres bekannt, den ersten Förderern der Mijnns, aus deren Reihen der neuzeitlich kultivierte Mensch hervortritt. Zeres gestalten die Zeit selbst in den Anfängen, richten verschiedene Welten ein, gönnen Möglichkeiten sich frei zu äußern, andere halten sie ehern von dunkler Absicht ab, bis sie eines Tages selbst ihrem Ende zulaufen. Gowinnyjen mischen ab da dominant mit, während sich der Mijnn Stück um Stück zum Menschsein kultiviert. Fehlerbeladen ist auch er/sie, doch die Ursprünglichen setzen dennoch auf ihn als ihr letztes stolzes Pferd im Rennen. Fordern aber zuvor Beweise für den Biedermann, als der der König der letzten Tage am Menschenthron geweissagt wird. Von den Bijixs, die auch den Mijnn und zuvor die Gowinnyjen und nochmals davor die Zeres selbst mit ihrer Vision berieten. Ein alles entscheidendes Gefecht am Ende der Tage zwischen Licht und Dunkel wurde beschlossen. Der König als Anführer der Krieger des Lichts, soll die entscheidende Stärke für sich und die Seinen finden, selbst Hades und seiner Höllenbrut die Stirn zu bieten. Zeitgleise führt uns durch die Anfänge, wie sich Lager um Lager findet und langsam etabliert, wie sie lernen Freund von Feind zu unterscheiden und wie vielschichtig die Erde doch ist. Sie legen Jahrtausende alte Verstecke offen. Reichen Wesen die Hand, die man sich zuvor nicht mal als Sagengestalt denken konnte. Parallel erobert Computertechnologie unsere Welt, der Ost-West-Konflikt errichtet eiserne Vorhänge und privilegierte Innenstädte ziehen Schutzzäune hoch mit Hilfe bewaffneter Milizen. Man flieht vor der Wahrheit, wo immer man kann. Die täglich gewaltbereiter wird. Der Teil der Bevölkerung, der sich nicht integrieren, gar noch devot beugen möchte, taucht unter den Radar ab. Aggression pulsiert auf den Straßen wie kaum jemals zuvor. Geld regiert, Politik beugt sich, Demokratie gibt es nur noch auf dem Papier. Und nochmals parallel begeistert Woodstock die Massen, die Urlaubswelt nimmt seltsame Wesenszüge an und Tod integriert sich im Leben auf nochmals bizarrere Weise…. Ein urrussischer Wasserbär von der Wolga reicht Einwohnern Venedigs seine helfende Hand, nur weil er auf schwarzseidige Panther steht. Haushohe Krokodile auf 2 Beinen werden zu Freunden und Loki ist gar nicht so übel, wie alle behaupten und Thantos, der Vollstrecker eigentlich ein so richtig netter Kerl. Gladiatoren kämpfen an Seiten von Massenmördern, die wir zu besten Freunden erklären und um medizinischen Rat bitten.- Heuschrecken gelten schon sehr bald als absolut heiße Bräute. Nur zumeist sind sie ziemlich klein. Während die Feindseite nochmals eindrucksvollere Mitstreiter für sich akquiriert, erfindet Europa sein eigenes Bürocomputersystem und die Wirtschaft entwickelt sich entschieden anders, als man es kennt. Denn der Frövjed wurde uns geschenkt….

Auszug aus Symphonien in blau. So stand es im Anfang. Zeres betreten die Erde. Rein durch Macht und Magie wird alles gesteuert was ist, was geschieht, was für morgen denkbar wird und für heute noch gänzlich ausgeschlossen steht… Der Mensch, wie gesagt, existierte als solcher noch nicht und an Tierbestand gab es, vergleichbar zu später, kaum Nennenswertes zu erwähnen. Nichts von all dem, was uns heute beschäftigt, uns täglich neue graue Haare beschert, war zu jener Zeit vorhanden. Keine Grenzzäune, Wachtürme, keine Hoheitsgebiete und Herrschaftsansprüche, kein Geld. Einzig beherrscht von Mutter Natur erstrahlte die Erde unschuldig und gänzlich unberührt von Kunstfertigkeit und Kultur. Für ein Volk wie die Alten Asen ein idealer Ort, ihn als neue Heimat Asgard für sich zu definieren – und damit zur Sache zu erklären – und im gleichen Atemzug fest zu annektieren. Er, beziehungsweise ab dato Es, wirkte wenig attraktiv oder gar einladend von außen gesehen und damit die Gefahr nicht übergroß, an dieser Stelle von irgendwem per Zufall bemerkt zu werden. Irgendwo am Rande und ebenso mittendrin, unscheinbar in graue Nebelmasse eingehüllt. Die Milchstraße, gleichermaßen, ein weitläufiges Terrain. Seitens der Asen seit jeher verschmäht, geradezu für uninteressant befunden. Sie lieben es das Sagen zu haben, den großen Boss zu spielen. Aber keine Chance an dieser Stelle von außen her irgendwas zu bestimmen. Ist einfach nichts zu erkennen! Da müsste man schon mal für runtersteigen. Direkt Vorort nachschauen, worum es sich dreht… Auch Götter sind bisweilen etwas faul, träge und selbstgefällig gestimmt. Lieben es mehr den einfachen, üblichen Pfad zu wandeln, als den beschwerlichen. Somit wird die Erde – halt nein, jetzt heißt es Asgard – von ihnen beflissentlich übersehen und großzügig sich selbst überlassen… Wobei das die Anwesenheit von einigen Zeitlosen erklären könnte – von wo sie ursprünglich kamen?! – Die Asen an Bord unserer Maschine suchten jedenfalls im Jahre Null-Asgijahr – so die eigenwillige Bezeichnung ihrer ab da fleißig dokumentierten und archivierten Zeit – einen günstigen Unterschlupf für sich und ihre Begleiter. Alle genau wie sie Zeresstämmige. Ein großes Heer ihrer bärbeißigsten Krieger führten sie mit. Das neu benannte Volk der Hævoqs. Zudem ausreichend Bauern und Viehzüchter für ihre künftige Ernte. Ihre Vorräte würden nicht wirklich lange vorhalten, auch wenn sie, die sich selbst betitelnden Alten Götter, auch sehr gut eine Zeit lang ohne feste Nahrung auskommen konnten. Geschätzt für vielleicht 3 bis 5 Jahre sollte es vorhalten und bis dahin würden sie dieses Fleckchen Eis und Schnee entsprechend ihrer Fähigkeit heimelig gestalten. Lange benötigen ihre neu betitelten Kemopes – ihre Sachverständigen – niemals, das, was natürlich möglich ist und wo etwas nachgearbeitet werden muss, zu definieren. Für einen Zeres überhaupt kein Problem… Wer sich ihrer Flucht außerdem in großer Menge anschloss waren die Tephériie. Ein gar wildes Völkchen, schon rein vom äußeren Erscheinungsbild. Wobei ihr Aussehen wohl das wildeste an ihnen ist. Sie selbst, näher betrachtet, erscheinen einem häufig wie treuherzige riesengroße Teddybären, die nur die Flucht ergreifen, sobald irgendwer versucht ihnen Regeln aufzubürden. Sie sind nochmals versierter darin aus Nichts Etwas zu erschaffen, das ihnen überleben möglich macht. Auch sie sind karg in ihren Ansprüchen, dazu rastlos und unwahrscheinlich neugierig… Sie strömen schon bald in alle Winde aus, die neue Heimat zu erkunden. Während das Herrschaftsvolk selbst, ab jetzt als Vakuda bekannt, es vorzieht ihre Kultur und Kraft zu manifestieren (in Stein zu meißeln, wird man es in späteren Tagen nennen). Um damit für sich sicherzustellen, dass man sie nicht versehentlich für Wilde hält. Was den Tephériie dagegen nur Recht wäre. Diese für wahr lammfrommen Teddybären im gruftig-wilden Außenbild nennen Vakuda gerne Steifbeine, überalterte Götter, die ihren Heiligenschein nicht mehr auffinden können und deshalb Gesetze erlassen müssen, um nicht am Ende noch wie Gewöhnliche dazustehen. Und weiteres Ironisch-kritisches dieser Fassung. Man lächelte somit mehr über sie, als dass man vor ihnen zittert. Aber Respekt zollt man ihnen ohne Zweifel. Anderes würde nicht akzeptiert.

©xento-falkenbourg (xfwerk)
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