Frisches Lamm

Wie Sterne (1.1.1)-Symphonien in blau (BoD-2.Auflage)-C-M1-Internet-0770

Auszug aus (1.1) Symphonien in blau. Mósesar ist noch immer gänzlich verblüfft. Normal kommt man mit solchen Erfahrungen doch wenigstens aufs nächste Kirchenblatt in der Umgebung!- Aber leider, leider, kann er niemanden darüber etwas berichten…— Danke, du da oben! Dass du anscheinend sogar auch dafür noch Verständnis aufbringen kannst!— Mynnard, ebenfalls einer seiner wilden Brüder, trifft gerade eben mit einer erbeuteten Fleischladung ein…. Frisches Lamm. Ganz zart. Bestimmt eben noch bleckend neben seiner Mama auf der Wiese gestanden…. Wie es gerade aussah – so rein nach der Menge des Fleisches bemessen – wurde gleich der ganze Kindergarten aus der Schafkolonie geraubt. Und seine Brüder, Onkel und Cousins strömen jetzt allesamt mit Begeisterung in die große Halle rüber, wo die Tiere zubereitet werden. Damit dürfte seine Familie für eine gute Weile beschäftigt und genügend abgelenkt sein. Bis sie merken, dass er gar nicht mehr da ist, hat er doch wenigsten ein bis zwei Stunden Vorsprung. Das muss er für sich nutzen. Sofort jetzt!— Als Mósesar die Hütte der Romanows betritt, weiß er, dass er keine Minute zu früh kommt. Im Gegenteil. Der zarte Junge auf der Bank sieht aus, als wäre sein Leben nicht mehr allzu viel wert. Aber er lebt noch. Atmet selbsttätig. Damit findet sich ja vielleicht eine Chance für ihn zu überleben. Seine Vergewaltiger und Peiniger sind viel zu überrascht, ob seines Anblicks, um sich groß zur Wehr zu setzen. Gegen ihn, einen urwüchsigen Wolf, hätten sie sowieso keine Chance. In diesem Fall lässt auch er seine innere Bestie raus. Es wird das letzte Mal sein. Hinterlässt er hier ein Schlachtfeld – im urwölfischen Sinne gesehen – tippt keiner so schnell auf ihn und kommt gar noch auf die Idee, hier könnte wer überlebt haben.– Er wickelt den zarten Jungen in eine Decke. Er blutet stark zwischen seinen schlanken Beinen. Beziehungsweise hat geblutet, die Wunde wurde soeben mit glühenden Kohlen ausgebrannt. Seine Geschlechtsteile fehlen…. Scheiße Mann!-.... Menschen sind genauso brutale Bestien wie Wölfe!!- Er muss hier weg!- Weit weg!- An einen Ort, an dem noch Hoffnung lebt.… So hat es ein Dichter ausgedrückt…. Wie ging es gleich?- Es fällt ihm nicht ein. Nur die Umschreibung des Ortes, wo der Gepeinigte hinstrebte…. Genau dahin!- Diese Dunkelheit ertrage ich nicht länger!!

An einen Ort, an dem die Hoffnung lebt
Wo Gott bis heute im Herzen mit spazieren geht
Wo man noch Mitleid und Erbarmen kennt.

Er flüchtet in einem Kleintransporter nach Südwest. Richtung Ungarn. Den Jungen im Heck liegend. In Tiefschlaf versetzt, ausgestreckt in Decken gehüllt. Zuvor noch knüpft er einem Waffenschieber am Fluss sein Vermögen ab. Nimmt zudem ein paar Waffen und reichlich Munition mit. Wer weiß, gegen wen er sich alles künftig verteidigen muss?- Sein Wolfsgesicht kann er in der Mijnnwelt nirgendwo vorstrecken. Seine Familie würde praktisch direkt davon erfahren und sehr schnell schon wären sie vor seiner Tür angelangt…. Das dürfte dann das sichere Todesurteil für den Jungen bedeuten. Ihm, dem Bruderwolf, könnten sie vielleicht noch eine zweite Chance einräumen. Immerhin richtete er ein grandioses Blutbad vor ihrer Haustür an und erwies sich damit als Familienmitglied als würdig.– Dem bisherigen Wagenbesitzer (laut Papieren im Handschuhfach) steckt er in der Nacht einen höheren Geldbetrag in den Briefkasten, mit einem Entschuldigungszettel daran und der Bitte, sich einen neuen zu besorgen…. Die benötigten Hilfsmittel für die Versorgung seines Patienten besorgt er sich am Weg aus Tierpraxen. Die Einrichtungen sind leicht zu knacken. Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel, Salben, Antibiotika, Schmerztabletten, Beruhigungs- und Aufputschmittel, der Junge dürfte so einiges brauchen, seinen Zustand zu ertragen. Selbstverständlich hinterlässt er überall entsprechende Gegenwerte. Von einem Drogendealer nimmt er sich einen kleineren Vorrat an Heroin und alles Marihuana, das er finden kann und zudem dessen Bargeldbestand.– Der Typ sieht für seine Augen raffgierig und ich-bezogen aus. Einer, der sich anderen gegenüber eher unfair beweist. Somit verhält sich Mósesar ihm gegenüber gleichermaßen…. Mittels Heroin wandelt er das Leid des Jungen vorerst in erholsamen Schlaf um, damit sein Körper Kraft schöpft, bevor der Geist realisiert, was ihm widerfuhr…. Mit Wodka, Hasch und viel starkem Kaffee plant er ihn so langsam in das Hier und Jetzt zurückzuführen. Er wird es versuchen. Tun, was möglich ist zu tun…. Dazu ausgewogene Ernährung, frische Luft und viel Bewegung…. Vielleicht gelingt es ihm, dem Jungen wieder Mut zu machen, dass er sein Schicksal annehmen kann. Er wird ihn an seine Schwester erinnern, die nur noch ihn auf der Welt hat. Das könnte helfen, Überlebenswillen zu finden. 

©xento-falkenbourg (xfwerk) – Jugendliche ab 16 / Erwachsene, je Teilband ca. 240-300 Seiten
Buch und eBook – Books on Demand Norderstedt (BoD.de), AmazonThalia uvm.
PDF (downloadlink), Buchlayout (2seitig)/Medienlayout (1seitig) über
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Kontakt: xento@falkenbourg.de  (xfwerk, fürth)

Wie Sterne in der Nacht Huhn1

3 Kommentare

  1. man kommt hier leicht ins schwafeln und außerdem kriegt man in den Büchern ständig Hunger und tolle Ideen zum kochen….. allerdings jetzt nicht aus dem Wolfslager im ersten Band. eher doch aus der Zeit Mathias im Sternenpark. ab da wird dort nämlich fleißig gekocht…. wenn ich mal mutmaßen darf: ob es in Xentos Leben wohl einen Mathias gab, der auf grüne Bohneneintöpfe abfuhr und ordentlich haarig war??!

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