Ein Ort, an dem die Hoffnung lebt

Zeitgleise Auf neuen und auf alten Gleisen, in einer vertrauten und doch fremden Zeit

Leseprobe zum reinklicken und durchblättern…
Zeitgleise-1.5.1-Symphonien-in-blau-xfw1.Auflage-BL-LP

Auszug aus Symphonien in blau. Als Mósesar die Hütte der Romanows betritt, weiß er, dass er keine Minute zu früh kommt. Im Gegenteil. Der zarte Junge auf der Bank sieht aus, als wäre sein Leben nicht mehr allzu viel wert. Aber er lebt noch. Atmet selbsttätig. Damit findet sich ja vielleicht eine Chance für ihn zu überleben. Seine Vergewaltiger und Peiniger sind viel zu überrascht, ob seines Anblicks, um sich groß zur Wehr zu setzen. Gegen ihn, einen urwüchsigen Wolf, hätten sie sowieso keine Chance. In diesem Fall lässt auch er seine innere Bestie raus. Es wird das letzte Mal sein. Hinterlässt er hier ein Schlachtfeld – im urwölfischen Sinne gesehen – tippt keiner so schnell auf ihn und kommt gar noch auf die Idee, hier könnte wer überlebt haben… Er wickelt den zarten Jungen in eine Decke. Er blutet stark zwischen seinen schlanken Beinen. Beziehungsweise hat geblutet, die Wunde wurde soeben mit glühenden Kohlen ausgebrannt. Seine Geschlechtsteile fehlen… Scheiße Mann! … Menschen sind genauso brutale Bestien wie Wölfe!! Er muss hier weg! Weit weg! An einen Ort, an dem noch Hoffnung lebt… So hat es ein Dichter ausgedrückt… Wie ging es gleich? Es fällt ihm nicht ein. Nur die Umschreibung des Ortes, wo der Gepeinigte hinstrebte… Genau dahin! Diese Dunkelheit ertrage ich nicht länger!!

Auszug aus der Dichtung eines unbekannten Dichters
An einen Ort, an dem die Hoffnung lebt
Wo Gott bis heute im Herzen mit spazieren geht
Wo man noch Mitleid und Erbarmen kennt.

Er flüchtet in einem Kleintransporter nach Südwest. Richtung Ungarn. Den Jungen im Heck liegend. In Tiefschlaf versetzt, ausgestreckt in Decken gehüllt. Zuvor noch knüpft er einem Waffenschieber am Fluss sein Vermögen ab. Nimmt zudem ein paar Waffen und reichlich Munition mit. Wer weiß, gegen wen er sich alles künftig verteidigen muss? Sein Wolfsgesicht kann er in der Mijnnwelt nirgendwo vorstrecken. Seine Familie würde praktisch direkt davon erfahren und sehr schnell schon wären sie vor seiner Tür angelangt… Das dürfte dann das sichere Todesurteil für den Jungen bedeuten. Ihm, dem Bruderwolf, könnten sie vielleicht noch eine zweite Chance einräumen. Immerhin richtete er ein grandioses Blutbad vor ihrer Haustür an und erwies sich damit als Familienmitglied als würdig… Dem bisherigen Wagenbesitzer (laut Papieren im Handschuhfach) steckt er in der Nacht einen höheren Geldbetrag in den Briefkasten, mit einer Entschuldigung daran und der Bitte, sich einen Neuen zu besorgen… Die benötigten Hilfsmittel für die Versorgung seines Patienten besorgt er sich am Weg aus Tierpraxen. Die Einrichtungen sind leicht zu knacken. Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel, Salben, Antibiotika, Schmerztabletten, Beruhigungs- und Aufputschmittel, der Junge dürfte so einiges brauchen, seinen Zustand zu ertragen. Selbstverständlich hinterlässt er überall entsprechende Gegenwerte. Von einem Drogendealer nimmt er sich einen kleineren Vorrat an Heroin und alles Marihuana, das er finden kann und zudem dessen Bargeldbestand… Der Typ sieht für seine Augen raffgierig und ich-bezogen aus. Einer, der sich anderen gegenüber eher unfair beweist. Somit verhält sich Mósesar ihm gegenüber gleichermaßen… Mittels Heroin wandelt er das Leid des Jungen vorerst in erholsamen Schlaf um, damit sein Körper Kraft schöpft, bevor der Geist realisiert, was ihm widerfuhr… Mit Wodka, Hasch und viel starkem Kaffee plant er ihn so langsam in das Hier und Jetzt zurückzuführen. Er wird es versuchen. Tun, was möglich ist zu tun… Dazu ausgewogene Ernährung, frische Luft und viel Bewegung… Vielleicht gelingt es ihm, dem Jungen wieder Mut zu machen, dass er sein Schicksal annehmen kann. Er wird ihn an seine Schwester erinnern, die nur noch ihn auf der Welt hat. Das könnte helfen, Überlebenswillen zu finden. – Drei Jahre vergehen, bis Sergeij soweit ist, sein Schicksal zu akzeptieren, die Verantwortung für sein Leben und sein Erbe. Sie leben als Cousins am Balaton (Plattensee) in Transdanubien im westlichen Ungarn. Zwischen dem Bakony-Gebirge, dem Somogyer Hügelland und der Landschaft Mezőfölds. Nicolai Piotre Kusmins Papiere lauten zwischenzeitlich auf Sergeij Medwedew, Mósesar Aethelwulfs auf Marek Tarassow… Marek trainiert seinen jungen Freund beständig. Seit sie im Sommer vor drei Jahren ankamen. Das Leben, das auf den Prinzen wartet, dürfte kein einfaches werden. Er benötigt neben gesundem Selbstbewusstsein vor allem auch tiefgründiges Wissen, ausreichend Verstand dieses Wissen sinnvoll zu nutzen und dazu Muskeln und Vitalität. Es dauert seine Zeit, bis Sergeij genügend Lebensmut gesammelt hat, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen… Männerhosen, wenn er trägt, sitzen niemals richtig. Immer verschiebt sich irgendwas und deshalb beschloss Sergeij vor einem Jahr ab sofort auf Frauenhosen umzusteigen. In ihnen fühlt er sich seitdem wohl. Sie lügen nicht und er will es ebenfalls nicht… Marek diskutiert lange mit ihm darüber, bis er einsieht, doch wenigstens ein Shirt drüber zu ziehen. So offen muss man nicht zeigen, was man alles nicht mehr hat. Marek hält es für einen Fehler. Da alle, die es wissen, sich ziemlich verkrampft beweisen. Obwohl Sergeijs selbstbewusste Art hilfreich genug sein sollte… Seine Art sich zu geben, ist die eines aufrechten, betont ernsthaften, erwachsenen Mannes. Wenn er also nicht jeden damit brüskiert, dass er nicht mehr ohne Weiteres im Stehen pinkeln kann, dann zweifelt keiner an seinem Mannsein. Aber kaum hat jemand dieses Etwas als fehlend bemerkt, fängt er oder sie an jeden Satz einer genaueren Prüfung zu unterziehen… So, als ob gesprochene Worte nur von Bedeutung sind, wenn man genau sagen kann, wurden sie von einem Mann, einer Frau oder einem Ochsen gesprochen? „Ochse“, dabei der Lieblingsbegriff Sergeijs, „nicht mehr im Stehen pinkeln können“, der Ausdruck Mareks. So hat ein jeder seine Begrifflichkeit gefunden und man kann sich auch mal lautstark darüber streiten. Sich gegenseitig argumentativ erschlagen… Was beiden immer wieder ausgesprochen wohltut.  

©xento-falkenbourg (xfwerk)
ab 16 / je Teilband (Buchdruck 13,5×21,5) ca. 340-450 Seiten
Buch und/oder eBook bei BoDTwentysixAmazonThaliaNextory
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Kontakt: xento@falkenbourg.de  (xfwerk, fürth)

3 Kommentare

  1. man kommt hier leicht ins schwafeln und außerdem kriegt man in den Büchern ständig Hunger und tolle Ideen zum kochen….. allerdings jetzt nicht aus dem Wolfslager im ersten Band. eher doch aus der Zeit Mathias im Sternenpark. ab da wird dort nämlich fleißig gekocht…. wenn ich mal mutmaßen darf: ob es in Xentos Leben wohl einen Mathias gab, der auf grüne Bohneneintöpfe abfuhr und ordentlich haarig war??!

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