Dorri lässt sich nicht irritieren

Wie Sterne (1.1.2)-Symphonien in blau (xfwerk-2.Auflage)-C-M1-Internet-0720

Auszug aus (1.1) Symphonien in blau. Polowsky zieht mit Sack und Pack, in seinem Fall ein größerer Schuhkarton, im benachbarten Dezernat für Gewaltverbrechen ein, dieses spezialisiert auf Bandenkriminalität…. Im Vorzimmer sitzt Dorri, die Sekretärin wie es sich gehört und tippt fleißig auf ihrer Schreibmaschine und nebendran sitzt Theo Krieger und recherchiert Notizen auf ihren Schreibblöcken über Telefonbücher, Branchenbücher, die Gelben Seiten und die Auskunft. Zudem blättert er immer wieder emsig in spezielleren Adressbüchern und verschiedenen anderen Informationsquellen herum und schreibt fleißig seine Berichte fertig, die er hernach Dorri ins Fach legt. Gerade hat er mehrere Seiten fertiggestellt…. Unter anderem sieht Polowsky eine gute Auswahl an Katalogen von umliegenden Motorradläden und Autohäusern, Spezielleres zu Tuning und anderen Verbesserungsmöglichkeiten der ölbetriebenen Kameraden, verschiedene Broschüren aus den Oldtimer-Klubs im süddeutschen Raum, noch Spezielleres über Motorrad-Lederwaren, auch solche wie sie die Rockerszene bevorzugt. Drunter begraben liegen massenhaft Materialien über Waffen, Kampftechnik, Medikamente, Drogenzubehör, logisch, klar. Genauso wie bei ihnen in der Mord. Aber hier entdeckt er auch mehrere Playboys und ein Beate-Uhse-Magazin für intime Bedürfnisse, genauso selbstverständlich dazwischen liegend. Schon darüber muss Polowsky innerlich lächeln. Die Vorstellung seine bisherige Sekretärin Fräulein Lisbeth Grau solle ernsthafte Schreibarbeit verrichten, während nebendran auf Kriminalassistent Georg Schiefers Schreibtisch solche Fachliteratur rumliegt??- Ein köstlicher Gedanke!!- Aber die gute Dorri lässt sich davon nicht stören. Während er gemütlich durchschlendert und sich neugierig umschaut, hat sie den Schreibblock unter Beates Versandhauskatalog vorgezogen und darauf irgendwas notiert und ihn dann wieder an genau die gleiche Stelle zurückgesteckt. Genauso selbstverständlich würde Fräulein Grau mit einem Journal über Hunderassen umgehen.– Nun, die sind aber nicht ganz so aufreizend gestaltet…. Weil er wohl doch ein wenig zu neugierig dreinschaut, dreht sich Dorri jetzt nach ihm um, aber er winkt sofort ab…. “Entschuldigung, bitte nicht stören lassen, will nur hinter ins Büro…“— Dort findet er keinen Anwesenden vor, was ihn verwundert. Dorri hätte ihn niemals einfach so durchgehen lassen, wenn hier gar keiner drin ist. Ok, es gibt einen hinteren Ausgang…. Während er noch überlegt, ob Holm da vielleicht raus ist, hört er was in der Nasszelle nebenan und irgendwie klingt es seltsam, also schaut er nach…. Kriminalkommissar Sascha Holm steht vor dem Spiegel und versucht sich zu rasieren, mit dem elektrischen Rasierer in der Hand, das Gesicht ist aber auf Nassrasur eingestellt und eingeschäumt…. Nun, das kann so nicht gut gehen!- Er schließt also erstmal sorgsam die Tür von innen und nimmt dann dem jungen Kommissar, 29 Jahre alt, erstmal den Rasierer aus der Hand und wischt ihm mit dem Handtuch den Schaum wieder ab. Dann setzt er ihn wie einen Schuljungen auf den Toilettensitz obendrauf und erklärt ihm, kurz auf ihn zu warten, er wolle nur mal eben für sie beiden Kaffee bestellen…. Dorri ist zwar irritiert, dass der Gast den Kaffee bestellt, steht aber sofort auf, zieht dabei ordentlich ihren Rock glatt und macht sich emsig ans Werk…. Sein Schulkind sitzt immer noch artig auf der Kloschüssel und damit kann er sich den Bart erstmal anschauen…. Ja, Nassrasur wäre sicher vernünftig. Er schaut sich um, findet alles Benötigte und schäumt Sascha wieder sein Gesicht ein und rasiert ihn wie der Profi im Western, nur eben mit den üblichen Gerätschaften der heutigen Tage. Dorri hat wohl den bestellten Kaffee längstens abgestellt und gewartet, wann denn jetzt die beiden Kommissare aus dem engen Raum rauskommen und schließlich schaut sie nach, was hier läuft…. Nun, damit rechnet sie wohl nicht, dass ihr guter Sascha Hilfe beim Rasieren braucht. Sie guckt mit tiefer Stirnfalte ganz so drein, als wolle sie sagen…. “Hättest du mir auch sagen können, ich kann dir bei sowas auch helfen!“— Damit ist Fräulein Dorit Scharer wieder im eigenen Büro gelandet und tippt an ihrer aktuell laufenden Schreibarbeit weiter…. Auch das gerade hätte Fräulein Grau nicht ganz so unkompliziert gelöst. Diese Dorri ist wirklich bemerkenswert und Kommissar Holm unterdessen auch wieder vorzeigbar. Er putzt sich noch schnell die Zähne und geht dann selbstverständlich unter die Dusche, kommentarlos…. Gut. Kein Problem, ich gehe dann derweil Kaffeetrinken nach nebenan. Wir reden später, denkt sich Polowsky, dem die Unkonventionalität des Büros schon immer gut gefällt. Ganz entgegen der verbreiteten Meinung über laxe Umgangsformen, zeichnet sich die Arbeit in diesem Büro nämlich seit Jahren als hocheffizient. Dem muss man erstmal was gegensetzen…. Als Sascha rauskommt, mit Handtuch um die Hüften, zerrt er an irgendwelchen Klamottenstapeln im Schrank herum, bevor Polowsky eingreifen kann. Es fällt natürlich alles wild durcheinander auf den Boden und das wiederum bekommt Dorri mit, die Sascha sofort alle Sachen wieder abknöpft und ihn dafür auf seinen Stuhl manövriert und erklärt…. “Ich mache das, trink deinen Kaffee und wart’s ab, was ich für dich zum anziehen finde…

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