Der Tod des Eloyser-Throns

Auszug aus Band 2.2 Canis Falkenstein. In Loki erkannte ich es: das Ende unserer Zeit…. Und parallel erbrannte mit ihm ein Licht in der Welt, das überirdisch schien. Deshalb glaubte ich seinen Träumen, dass wir gerettet werden könnten. Dass es noch einen weiteren Schritt für uns auf Asgard gäbe. Einen weiteren Schritt nach vorne. Wo wir doch längst den Abgrund vor uns sahen. Nur zögerten, es einzusehen.– Welcher Gott gibt schon freiwillig zu gescheitert zu sein?- Nicht mehr weiter zu wissen?– Ist nicht genau das das Privileg der Götter, dass es für sie niemals endet?-… Damit, dass wir Götter – Asen – Vakuda diesen eiszeitlichen Planet betraten, ihn selbstherrlich annektierten, ihm einen neuen Namen gaben ohne nachzufragen, ob er/sie vielleicht schon einen hat (?!), besiegelten wir unser Schicksal. Denn wir bewerteten im gleichen Atemzug diesen Planet und genauso auch welche unter uns als weniger wert, denn andere. Wir bewiesen Intoleranz, Ignoranz, Egomanie. Setzten grobschlächtige Siebe vor unsere Augen, wollten „Sehen“ und „Verstehen“ grundlegend erläutern. Lehrer, die wir sein wollten, aber nicht bereit waren uns zuvor als Schüler zu qualifizieren. Den steinigen, den anstrengenden Weg zu gehen. Nur unsere Arroganz stand stabil. Und deshalb war unser Ende besiegelt, bevor es richtig losging…. Wir wurden sterblich und vergänglich wie alles andere um uns. Es dauerte nur etwas länger, es zu erkennen…. Unsere Göttlichkeit ward mit Schmutz besudelt. Dichter, undurchdringlicher Deck, dass kein Himmel ihn so schnell von uns abwaschen konnte. Niemals konnten wir uns davon erholen. Die Erdenkinder, Mijnns, zu unseren Schützlingen erklärt, verhalf uns unsere Endlichkeit noch ein paar wenige Augenblicke rauszuzögern. Nichts mehr und nichts weniger. Nicht wir eroberten einen Planet, der sich uns ab sofort unterzufügen hatte – nein!– Der Planet akzeptierte uns lediglich als seine Gäste, bewirtete uns freundlichst und entgegenkommend und sorgsam, wie er/sie nunmal veranlagt ist, hielt er/sie uns von der ersten Minute an unseren Eiern fest. Packte uns da, wo es richtig weh tun kann. Und wir, die erklärten Götter, scheiterten…. Wir scheiterten beim Versuch ein neues Götterreich zu errichten. Uns gelang nur, einem Planet zu helfen ein lebendiges – atmendes – wachsendes – zukunftsgerechtes Umfeld, ein Kinderzimmer für seine Kinder, einzurichten. Ein Kinderzimmer, in dem diese Kinder Nahrung und Grundlagen ihres Seins finden würden, wenn ihre Zeit naht erwachsen zu werden. Ihn, ihren Planet, letztlich selbst in ihre Befugnisse als Herrschende zu übernehmen.
Mutter Erde – wie Loki ihn nennt. Asgard, den sächlichen Begriff, einfach so wegwischend. Mit dieser neuen Identität, die ich mit seinem Anblick begreife, erkenne ich unser Scheitern. Unser Werk, das in den letzten Atemzügen zu Ende geht. Ein Projekt, das als beendet bewertet werden muss. Struktur und Seele, das war es, was der Planet von uns benötigte. Den Rest, den kriegen sie auch ganz ohne uns hin. Aber: sie übernehmen in ihre Obhut unseren geborenen neuen Stern. Einen Haevoq, wie er edler und reiner nicht sein könnte. Wie er heroischer niemals in der Zereswelt erschien. Loki überstrahlt uns alle mit seinem Glanz. Ein Glanz, den ich nur erfühlen darf, niemals wahrhaft sehen. Denn erst mein Tod wird ihn sichtbar machen. Der Tod des Eloyser-Throns. Das spüre ich, das fühle ich. Das ist mein Erbe. Von Vakudageneration zu Vakudageneration weitergetragen bis zu diesem Moment. Zu diesem Mann. Der als Sohn der Erde angenommen wurde und nun zum Vater der Erde erwächst. Und ich, wie alles um mich herum, bin nur Weggefährte für diesen Einen. Den Mutter Erde von uns einfordert. Als Gegenleistung für unsere Frevel, unsere Respektlosigkeit, unsere Indiskretionen, unsere Schandtaten der letzten Jahrtausende. Ja!– Sie fordert es als Wiedergutmachung. Ließ uns nur so lange straucheln und fallen und wiederum hochkommen, bis ihr gewähltes Kind unter uns zum Manne gereift war. Und ich durfte ihn kurzzeitig begleiten. Ihm die Hand reichen. Ihn lieben.– Welch hohe Ehre, die mir zuteil wurde!– Und wohl auch als freundliches Dankeschön für meine Einsicht zu verstehen.
Loki erzählt mir von Gelehrten und Priestern. Von Wissenschaftlern in seiner Welt, von Architekten, wie sie Handwerker und Arbeiter nennen. Sie fanden neue Namen ihre Kasten zu unterteilen, ihre Welt zu strukturieren. Sie sind somit weit davon entfernt nur Mörder und Spießgesellen zu sein!– Die Krieger in ihrer Welt gehören zu den Unaalid (Ю), den Wächtern der Tiefe. Das ist aus meiner Sicht ein soviel klangvollerer Begriff wie Taghir, Kriegerkaste. Klar nennen wir immer die Farben dazu, also rote Taghir. Aber sie Wächter der Tiefe zu nennen, ist nochmals etwas anderes. Und ihre Farbe ist grün. Die Farbe des Wachstum, des Lebens schlechthin. Unsere gewählte Farbe rot drückt doch eher das Gegenteil aus…. Die Rahar sind auch nicht einfach nur Attentäter und Spione, wie zu unseren Zeiten. Nein. Sie haben zum einen die beiden Seiten aufgeteilt und zum anderen die Tat an sich in andere Worte gefasst: Rahdjim () Pfad der Geheimnisse, für die Spione und Rahar (¤) Pfad der Schatten für die Attentäter. Die Richter und Henker damit gemeint. In beiden Fällen ist Loki der gewählte Regent, nicht nur bloßer Anführer, wie bei uns. Nein. Bei den Hævoqs sind die Anführer der Kasten deren Regenten und aus ihnen heraus entsteht die 8. Kaste — Pallyros (Ѫ) Rat der Regenten. Und jeder aus ihrem Volk kann ein Mitglied dieser Kaste werden. Nun, er/sie muss sich hocharbeiten, aber es gibt diese Möglichkeit, die in unserer Vakudawelt niemals denkbar wäre. In unserer Welt wirst du reingeboren, nur das ist möglich. Deine Geburt entscheidet darüber, ob du Herrscher oder Knecht bist…. Demokratie nennen es die künftigen Mijnns, wenn sie sich schon lange Zeit als Menschen bezeichnen, wie der Bijix Melyzanth mir erzählt. Eine Möglichkeit eines Jeden aufzusteigen und mitzuwirken am Geschehen. Etwas, das erst in der späteren Zukunft von Asgards Geschichte vorgesehen ist. Aber die Hævoqs haben es bereits für sich geschaffen. Loki tat es. Deshalb muss ihre Zeit anbrechen und unsere zu Ende sein. Sie sind erkennbar für die Zukunft geboren, zeigen sich offen für Veränderung, sind bereit umzudenken, neu zu formulieren; wir dagegen klammern an Vergangenem fest, wollen nicht loslassen. Wir sind nicht dazu geschaffen uns umzudrehen, unseren Blickwinkel zu korrigieren. Wir bilden die Vergangenheit, die unabänderlich bleibt. Die zu Ende geht. So bitter es klingt. Alles andere wäre noch falscher wie alles, was wir die letzten 17.276 Jahre hier veranstalteten. Diese 17.276Asgijahre, die uns aufzeigten, dass wir doch nicht alles im Griff halten. Dass doch das ein oder andere ungelöste Problem existiert.…– Und wie sind wir damit umgegangen?— Wir fingen an zu spielen wie Kinder!- Lenkten uns ab. Erschufen uns lebendige Spielzeugsoldaten, tauften sie Gowinnyjen und vertrieben uns mit ihnen unsere Zeit. Und vertagten die Lösung unserer unlösbaren, lästigen Probleme auf den nächsten Tag, die nächste Dekade, das nächste Asgijahr. Und erschufen damit das nächste Problem, direkt neben dem bereits brach liegendem ersten ungelösten…. Und letztlich kamen wir niemals mehr über diesen Punkt hinaus. Sobald ein Problem lästig wurde, wurden unsere Wissenschaftler und Gelehrten oder auch die Priesterschaft aufgefordert für Ablenkung zu sorgen. Und daraus entstanden absurdeste Dinge und wegen dieser Dingelchen packten die Kweijds in unseren Reihen als erstes ihre Sachen und zogen weiter. Weg von der Heimatwelt, die immer verschrobener und morbider wurde…. Unter den Kweijds waren nicht wenige, deren Nachkommen in heutigen Tagen meine Freunde sein könnten. Das Denken ihrer Welt, die sich schon in den ersten Jahren auf Asgard ausbildete, war schon immer ein wesentlich offeneres, als das traditionell geflochtene der Vakuda. Die sich etwas darauf einbilden, auf alte Kultur zurückgreifen zu können. Nun, genau diese geregelten Traditionen vertrieben sie ursprünglich aus der Heimatwelt. Dort waren sie die Quertreiber, die Uneinsichtigen, die Rebellen, die Zerstörer von Ruhe und Harmonie. Nun sind die Nachkommen selbiger Querschläger diejenigen, die Veränderung unterbinden. Jeden Weiterdenkenden konsequent versuchen auszubremsen, abzuwürgen…. Klar, dass es zu Unruhen und Rebellion in den eigenen Reihen kommen musste. Schon im ersten Asgijahr formierten sich aus der Kaste der Rahar weitere, die sich fortan ebenfalls als Hævoqs definierten. Unser mitgebrachtes Kriegervolk letztlich auf ein Niveau anhoben, dass auch sie Herrscher und Verwalter und nicht nur Krieger sein konnten. Was wir, die Arroganten der alten Tage, sich noch immer selbst als Götter und Herrschende definierende Flammenhüter und ab Asgard Vakuda Genannte, nicht erkennen wollten.

©xento-falkenbourg (xfwerk) – Jugendliche ab 16 / Erwachsene, je Teilband ca. 240-300 Seiten
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