Der Tod des Eloyser-Throns

Zeitgleise Auf neuen und auf alten Gleisen, in einer vertrauten und doch fremden Zeit

Leseprobe zum reinklicken und durchblättern…
Zeitgleise-2.9.1-Der-Weltenbund-xfw1.Auflage-B-LP

Auszug aus Der Weltenbund. In Loki erkannte ich es: das Ende unserer Zeit… Und parallel ging mit ihm ein Licht in der Welt auf, das überirdisch schien. Deshalb glaubte ich seinen Träumen, dass wir gerettet werden könnten. Dass es noch einen weiteren Schritt für uns auf Asgard gäbe. Einen weiteren Schritt nach vorn. Wo wir doch längst schon den Abgrund vor uns sehen. Nur zögern, es zuzulassen. – Welcher Gott gibt schon freiwillig zu gescheitert zu sein? Nicht mehr weiter zu wissen? Ist nicht genau das das Privileg der Götter, das es für sie niemals zu Ende geht? … Damit, dass wir Götter die Erde betraten, sie selbstherrlich annektierten, besiegelten wir unser Schicksal. Denn wir sahen im gleichen Moment sogar schon welche unter uns selbst als weniger wert, denn andere. Wir bewiesen Intoleranz, Ignoranz, Egomanie, grobschlächtige Siebe vor unseren Augen, die anderen Sehen und Verstehen lehren wollen. Lehrer, die letztlich sich als Schüler nicht qualifizieren konnten. Nur ausreichend Arroganz für den Job mitbrachten. Und deshalb war unser Ende besiegelt, bevor es überhaupt richtig losgehen konnte… Wir wurden genauso sterblich und vergänglich wie alles andere um uns herum. Es dauerte nur etwas länger, es auch zu bemerken… Unsere Göttlichkeit ward mit Schmutz besudelt. So dichtem, undurchdringlichem Deck, das kein Himmel ihn so schnell wieder von uns runterwaschen konnte. Niemals konnten wir uns davon wieder erholen. Die Erdenkinder, die Mijnns, zu unseren Schützlingen zu erklären, verhalf uns nur, unsere Endlichkeit noch um ein paar Asgijahre hinauszuzögern. Nichts mehr und nichts weniger. Denn nicht wir eroberten einen Planet, der sich uns nun unterfügen musste – nein! Der Planet akzeptierte uns nur als Besucher und sorgsam, wie er nunmal veranlagt ist, hielt er uns von der ersten Minute an unseren Eiern fest. Packte uns da, wo es letztlich richtig weh tun kann. Und wir, die erklärten Götter, scheiterten… Wir scheiterten beim Versuch ein neues Götterreich zu errichten. Uns gelang nur, einem Planet zu helfen ein lebendiges – atmendes – wachsendes – zukunftsgerechtes Umfeld, ein Kinderzimmer für seine Kinder einzurichten. Ein Kinderzimmer, in dem diese Kinder Nahrung und Grundlagen ihres Seins finden würden, wenn ihre Zeit naht erwachsen zu werden. Ihn, den Planet, letztlich selbst in ihre Befugnisse als Herrschende zu übernehmen… Mutter Erde – wie Loki ihn nennt. Asgard, den sächlichen Begriff, einfach so wegwischt. Und mit dieser neuen Identität, die ich mit seinem Anblick begreife, erkenne ich auch unser Werken selbst, das nun in den letzten Atemzügen zu Ende läuft. Ein Projekt, das als beendet angesehen werden kann. Struktur und Seele, das war es, was der Planet von uns benötigte. Den Rest, den bekommen sie auch ganz ohne uns hin. Aber: sie übernehmen in ihre Obhut unseren geborenen neuen Stern. Einen Hævoq, wie er edler und reiner nicht sein könnte. Wie er heroischer niemals in der Zereswelt erschien. Loki überstrahlt uns alle mit seinem Glanz. Ein Glanz, den ich nur erfühlen darf, niemals wahrhaft sehen. Denn erst mein Tod wird ihn sichtbar machen. Der Tod des Eloyser Throns. Das spüre ich, das fühle ich. Das ist mein Erbe. Von Vakuda-Generation zu Vakuda-Generation weitergetragen bis eben zu diesem Moment. Zu diesem Mann. Der als der Sohn der Erde angenommen wurde und nun zum Vater der Erde erwächst. Und ich, wie alles um mich und all die anderen darin, wir waren nur Weggefährten für diesen Werdegang. Den Mutter Erde von uns fordert. Als Gegenleistung für all unsere Schandtaten in den letzten Jahrtausenden auf ihr. Ja! Sie fordert es als Wiedergutmachung für sich ein. Ließ uns nur so lange straucheln und fallen und wiederum hochkommen, bis ihr gewähltes Kind unter uns zum Manne gereift war. Und ich durfte ihn kennen lernen. Ihm die Hand reichen. Ihn lieben. Welch hohe Ehre, die mir zuteil wurde! – Loki erzählt mir von Gelehrten und Priestern. Von Wissenschaftlern in seiner Welt, von Architekten, wie sie ihre Handwerker und Arbeiter nennen. Sie fanden neue Namen, ihre Kasten zu unterteilen, ihre Welt durchzustrukturieren. Sie sind somit weit davon entfernt nur Mörder und Spießgesellen zu sein! – Die Krieger in ihrer Welt gehören zu den Unaalid (Ю), den Wächtern der Tiefe. Das ist aus meiner Sicht ein soviel klangvollerer Begriff wie Taghir, Kriegerkaste. Klar nennen wir immer die Farben dazu, also rote Taghir. Aber sie Wächter der Tiefe zu nennen, ist nochmals etwas anderes. Und ihre Farbe ist grün. Die Farbe des Wachstum, des Lebens schlechthin. Unsere gewählte Farbe rot drückt doch eher das Gegenteil aus… Die Rahar sind auch nicht einfach nur Attentäter und Spione, wie zu unseren Zeiten. Nein. Sie haben zum einen diese beiden Seiten auseinandergezogen und zum anderen die Tat an sich in andere Worte gefasst: Rahdjim (⁞) Pfad der Geheimnisse, für die Spione und Rahar (¤) Pfad der Schatten für die Attentäterseite. In beiden Fällen ist Loki der gewählte Regent, nicht nur bloßer Anführer, wie bei uns. Nein. Bei den Hævoqs sind Anführer der Kasten deren Regenten und aus ihnen heraus entsteht die 8. Kaste, Pallyros (Ѫ) Rat der Regenten. Und jeder aus ihrem Volk kann ein Mitglied dieser Kaste werden. Nun, er muss sich hocharbeiten, aber es gibt diese Möglichkeit, die in unserer Vakudawelt im Leben niemals denkbar wäre. In unserer Welt wirst du reingeboren, nur das ist möglich. Deine Geburt entscheidet darüber, ob du Herrscher oder Knecht bist… Demokratie werden es die künftigen Mijnns nennen, wenn sie sich schon lange Zeit als Menschen bezeichnen, wie der Bijix Melyzanth mir erzählt. Eine Möglichkeit eines jeden aufzusteigen und mitzuwirken am Geschehen. Etwas das erst in der späteren Zukunft von Asgards Geschichte vorgesehen war. Aber die Hævoqs haben es bereits für sich definiert. Deshalb muss ihre Zeit anbrechen und unsere zu Ende gehen. Sie sind erkennbar für die Zukunft geboren, zeigen sich offen für Veränderung, sind bereit umzudenken, neu zu formulieren; wir dagegen klammern an Vergangenem fest, wollen nicht loslassen. Wir sind nicht dazu geschaffen uns umzudrehen, unseren Blickwinkel zu korrigieren. Wir bilden die Vergangenheit aus, die unabänderlich bleibt. Und die zu Ende geht. So bitter es klingt. Alles andere wäre noch falscher wie alles, was wir die letzten 17276 Jahre hier veranstaltet haben. Diese 17276Asgijahre, die uns aufzeigten, dass wir doch nicht alles im Griff halten. Dass doch das ein oder andere ungelöste Problem existiert… Und wie gingen wir damit um? – Wir fingen an zu spielen wie Kinder! Lenkten uns ab. Erschufen uns lebendige Spielzeugsoldaten, tauften sie Gowinnyjen und vertrieben uns mit ihnen die Zeit. Und vertagten die Lösung unserer unlösbaren, lästigen Probleme auf den nächsten Tag, die nächste Dekade, das nächste Asgijahr. Und erschufen damit das nächste Problem, direkt neben dem bereits brach liegendem ersten ungelösten… Und letztlich kamen wir niemals mehr über diesen Punkt hinaus. Sobald ein Problem lästig wurde, wurden unsere Wissenschaftler und Gelehrten oder auch die Priesterschaft aufgefordert für Ablenkung zu sorgen. Und daraus entstanden absurdeste Dinge und wegen dieser Dingelchen packten die Kweijds in unseren Reihen als erstes ihre Sachen und zogen aus. Weg von der Heimatwelt, die immer verschrobener und morbider wurde… Unter den Kweijds waren nicht wenige, deren Nachkommen in heutigen Tagen meine Freunde sein könnten. Das Denken ihrer Welt, die sich schon in den ersten Jahren auf Asgard ausbildete, war schon immer ein wesentlich offeneres, als das traditionell geflochtene der Vakuda. Die sich etwas darauf einbilden, auf alte Kultur zurückgreifen zu können. Nun, genau diese geregelten Traditionen haben sie damals vom Heimatplanet vertrieben. Weil sie dort lästige Quertreiber waren. Nun sind die Nachkommen selbiger Querschläger diejenigen, die Veränderung möglichst unterbinden möchten. Jeden Weiterdenkenden versuchen sie konsequent in seinem Tun auszubremsen… Klar, dass es da zu Unruhen und Problemen in den eigenen Reihen kommen muss. Schon im ersten Asgijahr formieren sich die Hævoqs aus der Kaste der Rahar heraus. Ein paar Jahre später finden sich die ersten Kweijds, die dafür sorgen, dass sie optisch bemerkt werden. Die Kweijds gestalten ihr Äußeres in vielbunt… Unsere Augen, die der ursprünglichen Vakuda, waren schon immer tendenziell blau mit vielen Untertönen. Die Kweijds sorgen bei ihren Augen dafür, dass sie zwischen den Farben wechseln. Irgendwo anfangen und irgendwo zwischenlaufen und damit niemals enden. Das heißt, du kannst niemals bestimmen, welche Augenfarbe denn die häufigste bei einem von ihnen ist?? Also nennen wir ihre Augenfarbe vielbunt. Gleiches zu ihren Haaren. Sie wachsen von vorneherein in allen Farben. Will heißen durchaus auch in Farben, die von den Kweijds erst erfunden werden mussten. Denn wer hat schon mal etwas von natürlich grünen Haaren oder auch blauen gehört? Von lilafarbenen, von tieforangefarbenen, von zitronengelben? So gesehen, sind die Kweijds also genau solche Spielkinder, wie wir anderen auch. Nur dass sie damit Zeichen setzen und nicht nur tumbe rumspielen. – Als die Kweijds ihre Bündel packen und abziehen, haben sich bereits die nächsten Querulanten gefunden. Hauptsächlich Mitglieder der roten Taghir und ein paar von den schwarzen Rahar, die es als unehrenhaft empfinden, im Kampf Magie einzusetzen. Gleiche Chance für jeden ist ihr Motto und sie werden immer erbitterter darin, es als Grundgesetz für alle einzufordern. Außerdem verlangen sie – genauso wie die Kweijds schon vor ihnen – dass Frauen aus unserem Geschlecht die gleichen Rechte erhalten wie Männer. Somit ebenfalls mitkämpfen dürfen oder im Kreise der Forscher, Priester und Gelehrten agieren. Eine unvorstellbare Forderung, als es die Kweijds aussprachen..

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