Bamberg?- Ist das was für uns??

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Auszug aus (1.1) Symphonien in blau.Was meinst du dazu?- Bamberg?- Bei diesen Deutschen?“— Fedor streckt sich behaglich auf seiner Holzpritsche aus. Sie wählen einen Schäferunterstand mit solider Holzausstattung als Nachtquartier. Natürlich laufen sie vorher ordentlich weit weg vom Hafengebiet ins Inland rein, Richtung Delphi. Das Orakel, das wollen sie sich ansehen und befragen. Fedor grübelt seit Athen über die Gespräche vom dortigen Hafen. Sie wären Zarentreue!!– So erstaunt, wie er anfangs darauf reagiert, so sehr versteht er jetzt schon die Umstände, die dazu führen. Und noch sehr viel langsamer sieht er auch ein, dass es sich dabei nicht nur um Umstände handelt. Sie gehören tatsächlich zu jenen, die sich ihren verschütt gegangenen Monarchen näher ansehen möchten…. Das Sowjetregime. Ist einfach so gar nichts für sie. So ganz die falscheste aller Arten von Welt, die sie sich vorstellen möchten…. Also, wiederum die Frage (an sich selbst) gestellt: Bamberg?- Wäre das was für uns??– Das betreibt Fedor seit sie die Stadt verließen. Was bestimmt schon gute 5h her ist. So langsam ist er auch soweit, Stanis‘ Meinung dazu anhören zu wollen…. „Die sollen da ganz schön Amerika-verliebt sein. Ich weiß nicht, ob das was für uns ist…“— Stanis kann genau das hoffnungsvolle Fragezeichen hinter dieser banal geäußerten Textphrase hören. Und ja, auch er ist neugierig geworden. Das Orakel liegt ja schließlich am Weg nach dorthin…. Korfu. Ihr nächstes angestrebtes Reiseziel.– Wirklich schade drum…. Das wird wohl ausfallen. Mazedonien werden sie rechts liegen lassen und links Albanien, wahrscheinlich wohl auch ganz Jugoslawien auf dem Weg. Wie sehr er sich auf Dubrovnik gefreut hat?!- Eine vielgepriesene Stadt. Weiter oben, nahe der Küste, die Krka-Wasserfälle. Irgendwo zwischen Split und Zadar gelegen. Ein Naturschauspiel der ganz besonderen Art und die kleinen Inseln an der Küste, jede für sich ein kleiner Paradiesgarten. Sie werden sie alle miteinander von ihrem Reiseprogramm streichen. Na wenigstens das Orakel.– Das wird Fedor ihm an Kulturgenuss hoffentlich trotzdem noch zugestehen?!– Vielleicht sollte er anfangen, Fedor was von den Deutschen zu erzählen?– Bisher kennt er nur den sowjetischen Propagandamist dazu. Historisches. Klar. Gar aus der jüngsten Vergangenheit. Was jetzt nicht grad von einem netten Land mit netten Leuten spricht. Aber es gab auch in diesem Land andere Zeiten. Er, Stanis, las unzähliges darüber. Bücher von deutschen Autoren. Gedichte. Er verstand sie ja vielleicht nicht alle richtig, aber es gefielen ihm einige…. Aus Stanis Blickwinkel ist Deutschland ein interessantes Land mit einer ausschweifenden Geschichte. Vielfältig. Beeindruckend. Gewaltig. Genauso auch grausam und tödlich…. Irgendwie erzählen davon doch alle Geschichten aus allen Ländern. Jedes Land, das je an Macht gelangte, zeigte sofort sein grausames Gesicht. Nicht die freundliche Seite, die man sich wohl seitens der Nachbarschaft erhoffte. Vielleicht gehört das zum politischen Leben dazu?- Dass man nur solange freundlich und gut sein kann, bis man genügend Macht und Ansehen gesammelt hat, dass man für seine Nachbarn zur Bedrohung wird. Von einem zum anderen Tag muss man sich gegen die verteidigen, die einem gestern bei Konflikten beistanden. Macht korrumpiert und wirft einen jeden guten Charakter vom Licht in den Schatten?!-…. Als Möchtegern-Philosoph sollte er vielleicht noch etwas an sich arbeiten?!- Aber dass Fedor dringend einen positiven Gedanken zu Bamberg benötigt, steht außer Zweifel….– (Stanis) „Kennst du den deutschen Dichter Johann Wolfgang vonGoethe?- Er lebte von 1749-1832. Es gibt eine Ballade von ihm…. Der Erlkönig. Ich sag sie mal eben auf……— Von dem gibt‘s noch einiges mehr in der Art. Hat in Thüringen, Weimar gelebt. Das liegt im Osten. Wo jetzt unsere Leute regieren. Er war mal in Bamberg. Eine einzige Nacht nur, heißt es. Ein Hauptwerk des Sturm und Drang entstand hernach, ob dieses kurzen Moments. Götz vonBerlichingen.– Ähnlich rebellisch wie seine Hauptfigur Götz rennt Goethe mit dem Stück bisherige Theater-Konventionen über den Haufen: • über 50 Orte • parallel laufende Handlungsstränge • die dargestellte Zeit beschränkt sich nicht auf einen einzigen Tag – Vorlage soll der fränkisch-schwäbische Reichsritter Gottfried „Götz“ vonBerlichingen-zu-Hornberg sein (genannt Mit-der-Eisernen-Hand). Im dritten Aufzug fällt ein berühmtes Götz-Zitat, das heutzutage gerne als schwäbischer Gruß ausgegeben wird. „Sag deinem Hauptmann: Vor Ihro Kaiserliche Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respekt. Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken!“— Die Idee zu den Figuren soll Goethe alle in dieser einen Nacht in Bamberg eingesammelt haben. Wahrscheinlich in den Bierkellern. Die ganze Gegend – Franken – ist für seine Bierbraukunst berühmt. Muss lecker Zeug sein, was die da zusammenbrauen?!- Es war eine Studentenstadt, zumindest noch 1773 zur Zeit von Goethes Götz. 1803 wird die Universität im Zuge der Säkularisation des Hochstifts aufgehoben. In Studentenstädten, grad in den alten, fühlen sich Dichter doch angeblich pudelwohl?- Das soll sie inspirieren, ihre Fantasie beflügeln…. Vielleicht sollte ich das auch mal probieren?- So ein fränkisches Bier in einer alten Studentenstadt trinken?- Erlangen, auch so eine traditionsbewusste Unihochburg mit entsprechender Bierkultur, liegt um die Ecke. Praktisch auf dem Weg nach oben.– Wir könnten auf einen kurzen Umtrunk reinschauen?!- Nachdem Bamberg selbst heutzutage diese Inspiration nicht mehr bietet. Zumindest nicht auf Uniniveau. Allerdings bilden sie (seit ein paar Jahren) Lehrer in einer pädagogischen Hochschule aus. Vielleicht hilft mir das auch schon weiter?!- Mmmhhhh??- Gefällt dir das?- Ich meine diesen besonderen Goethe-Stil??

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