Anhalten ohne stehen zu bleiben

Zeitgleise Auf neuen und auf alten Gleisen, in einer vertrauten und doch fremden Zeit

Leseprobe zum reinklicken und durchblättern…
Zeitgleise-1.8.1-Symbolismus-xfw1.Auflage-B-LP

Auszug aus Symbolismus. Er sieht ihn sofort. Weiß jetzt, weshalb sein Bekannter den Begriff schwarzer Panther verwendet. „Ich meine, das ist einfach einer!“ – Genau so stellt sich der Helmut einen schwarzen Panther vor. Nicht mehr und nicht weniger eindrucksvoll, mystisch, ist ja schließlich keiner auf Tatzen, sprungbereit und gleichzeitig vollkommen harmlos, wie er auf der gegenüberliegenden Straßenseite vom Dorfladen im Kiosk die Zeitschriften, Buchständer und Postkarten durchsieht. Helmut hat eben begriffen, was es mit all dieser Begrifflichkeit auf sich hat, all diese Umschreibungen von Personen, die bei ihm so eine elektrisierende Wirkung erzielen… Die Weissagung! Dieses uralte Mysterium, über das schon seit Urzeiten herumgemunkelt wird und gerade in letzter Zeit hört man immer wiedermal wen drüber nachdenken. Leise Töne sind es, geradezu Flüsterstimmen. Aber sie sprechen von genau dieser Weissagung, die sich schon bald erfüllen soll. Denn die Welt fängt immer stärker an sich zu verändern. Der Boden vibriert immer spürbarer und immer öfter könnte man meinen, Stimmen direkt aus der Erde unter sich zu hören. Irgendwie fast schon gefühlt wie bitterliches Flehen. Aber wenn du stehen bleibst und besser hinhören willst, sind sie sofort verstummt. So als wäre die Gefahr, dass sie wer Falsches hört, zu groß… Deshalb flüstern sie dann, glauben sie, nur du könntest sie verstehen… Seit Jahren versucht er herauszufinden, wie man anhalten kann, ohne stehen zu bleiben – will heißen das Geräusch seines eigenen Selbst so reduzieren, dass man die Stimmen auch versteht, ohne sichtbar für alle außenrum, stehenzubleiben. Weil sie das ja verstummen lässt… Also, ein richtig schwieriges Problem! Und dann lernt er die Christine näher kennen, denn sie zieht ja bei ihm ein und von der ersten Sekunde an nennt sie den Ignaz Zwergl den jungen Löwen und es klingelt in Helmuts Ohr. Ein ums andere Mal. Und dann fängt sie an auch im Nachwuchs des jungen Löwen, korrekter ausgedrückt: im jüngeren Bruder, einen weiteren jungen Löwen erkennen zu wollen, nur eben mit nochmal breiteren Schultern. Und das Klingeln in seinen Ohren will gar nicht mehr wieder aufhören. Und ständig schwebt eine Textpassage vor seiner Nase rum, eine dieser Fragmente, wo sie nicht sagen können, wo genau die in die Weissagung eigentlich hingehört…

Weissagung laut AΩ-Mythologie: Die treue Maus und der junge Löwe:
… die treue Maus neben dem jungen Löwen … klug und beherzt …

Und plötzlich, genau in dem Moment, wo er weiß, dass das da vorne der schwarze Panther ist, eben genau der, der auch in der Weissagung in solchen Fragmenten Erwähnung findet, und dieser schwarze Panther genau in diesem Moment den Kopf in seine Richtung dreht und ihm direkt ins Herz sieht. Durch seine Augen schaut der schwarze Panther genau in sein Herz und weiß im gleichen Moment wie er selbst, Helmut, dass er die Maus ist. Die treue Maus neben dem jungen Löwen… Er, Helmut Maisek, wird in einer Weissagung vor zigtausenden von Jahren erwähnt! –—— Plötzlich quietschende Bremsen, metallisches Knallen und Scheppern, überall hupt es wild, Leute schreien und Lichter blitzen ihm direkt in die Augen. Ein grauenvoller Lärm, Arme zerren an ihm und plötzlich sieht er Christines besorgtes Gesicht und fällt ihr glücklich um den Hals und muss dann erstmal festgehalten werden. Von ihr, denn Christine lässt sich von niemandem so schnell helfen… Sie diskutiert mit verschiedenen ärgerlichen Stimmen und bugsiert den Helmut in den Laden, öffnet die Thekenklappe und nimmt ihn mit sich nach dahinter, wo wenigstens nicht auch noch Arme und Hände nach ihm greifen können. Die vielen Leute um sie, ihre vielen kauffreudigen Kunden im Laden, sind Christine gerade vollkommen wurscht… Sie hat ein Handtuch nass gemacht und tupft damit sein Gesicht ab und reicht ihm einen kalten Kakao zum Trinken. Sie hat ihn eben für ihn angerührt. Kalt, weil er ihn in warm nicht mag. Das weiß sie, sie sind in den letzten beiden Jahren gute Freunde für einander geworden… (Helmut) „Er ist weg?! Oder?! Der schwarze Panther vor der Tür – er ist weg?“ – (Christine verständnisbereit) „Ich wusste gar nicht, dass einer entlaufen sein soll?! Kam das wohl in den Nachrichten? Der ist jetzt bei uns zu Gange? Hat ihn jemand konkret gesehen, oder ist das nur Gerede?!“ – Sie hat sich ihm gegenüber auf einen Hocker gesetzt und sieht ihn immer noch so an, wie man ein traumatisiertes Kind anschauen würde, dass von der hohen Schaukel fiel und sich zwar nichts ernsthaftes tat, nun aber unter Schock steht. – Man will ja nicht, dass es Angst vorm Schaukeln kriegt.

©xento-falkenbourg (xfwerk)
ab 16 / je Teilband (Buchdruck 13,5×21,5) ca. 340-450 Seiten
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Kontakt: xento@falkenbourg.de  (xfwerk, fürth)

4 Kommentare

  1. der 5. scheint ebenfalls genau meinen Geschmack zu treffen. Hoffentlich kommt schon bald Band 4 raus. Ich kanns kaum abwarten

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