Amtsersuchen um Feldhasenjagd

Zeitgleise Auf neuen und auf alten Gleisen, in einer vertrauten und doch fremden Zeit
Schutzzäune 1976 (Teil1), Buch Haselnussgeist


Sofienpavillon 1, BB
Teil 1 12,49 €
370 Seiten, ISBN 9783754327876, Taschenbuch, Verlag BoD.de


Vom Beginn eines neuen Kapitels.
Die Augen für Alternativen weit geöffnet.


Auszug aus Schutzzäune 1976. Manchmal, ja manchmal spielt das Leben freundlichst mit dir! So an jenem Tag mit mir, dieser Feldeinsatz, der ursprünglich so klang, wie nahezu alles klingt, das von der Stadt zu uns rausgelangt… „Hallo ihr, die Uniformierten von außerhalb der Stadt, die von unserer Seite so verhassten und verachteten Armeemitglieder, könntet ihr bitte erneut helfen unsere Stadt vor dem Untergang zu bewahren und unseren Arsch aus der verquirlten Scheiße wieder rausziehen? Auch wenn wir uns hinterher wie üblich als undankbar erweisen? Euch wiederum sämtliche Schuld zuschieben, uns wie Sauhunde aufführen? Ihr kennt das doch alles schon und werdet es sicher auch diesmal gut verkraften können. Denn wir brauchen euch wirklich und zwar jetzt sofort. Wir haben dafür nicht genügend Einsatzkräfte parat und kennen uns im Gelände auch gar nicht gut aus. Aber ihr tut es. Weshalb euch alle ja so hassen. Weil ihr sie draußen immer erwischen könnt… Uns sind wiedermal so richtig schlimme Buben entwischt und jetzt kriechen sie irgendwo bei euch im Umfeld im Gelände herum und bauen sich ihren neuesten Hasenbau. Denn weggehen werden sie niemals von hier. Das ist ihr Heimathafen, den sie mit Nichten verlassen. Und deshalb müssen wir sie unbedingt erwischen. Sie kennen hier sicher alle Unterschlüpfe, alle Kniffe, jeden wichtigen Mann und besonders gut die, die sich als biegsam erweisen. Genau deren Namen brauchen wir. Wir müssen wissen wer die sind, wie wir sie endlich ausknocken können, überhaupt erstmal nur finden zwischen den treuen Wächtern. Das ist gar nicht so einfach, was ihr genau wisst. Und deshalb findet ihr sowas auch wesentlich leichter heraus als wir. Da man euch eh schon nicht leiden kann, da kommt es auf weiteres Übel nicht an. Aber wir, die Ordnungshüter, kämpfen noch darum als Menschen bewertet zu werden, als zugehörig. Lassen unsere Familien noch unter ihnen leben, versuchen noch zu ihren Freunden zu zählen. Was zwar immer schwieriger wird, aber noch immer möglich bleibt. Außer wir fangen jetzt ebenfalls an zu foltern, wenden diese ganz fiesen Methoden an, irgendwen zu finden und Informationen aus ihm rauszuprügeln, wie ihr euch nicht geniert es zu tun, dann ist es auch für uns aus und vorbei. Und deshalb müsst ihr uns helfen. Mensch zu bleiben und weiterhin dazugehören zu dürfen. Bitte! Rettet unseren Arsch! Findet diese Männer! Denn sie wissen genau, wie man unsere Grenzzäune und weiteren Absperrungen überwinden kann, kennen jedweden Trick, der das gesamtes Absicherungssystem hier regelmäßig lahmlegt. Wir müssen sie ausschalten! Unbedingt!“ – Na ja, so klingt zumindest der Kontext, den du immer deutlicher unten durchhörst. Ihr erbärmliches Flennen und Flehen, ihre Hilferufe und hernach genauso konsequent und nochmals lauter ausgesprochen der Gegenappell. Denn sie können zu diesem Zeitpunkt schon wieder aufrecht vor dir stehen, scheißen sich nicht mehr ihre Hosen voll und wimmern dir was vor. Nein! Sie sind wieder aufrechte, ehrliche Männer, die zu den Anständigsten überhaupt zählen und niemals betteln und rumheulen würden, niemals vor dir im Dreck kriechen und dich wegen irgendetwas anflehen! Sie sind echte Männer und wissen, was man dafür bereit sein muss zu tun. Und deshalb müssen sie uns jetzt auch wegschicken… „Ihr seid hier nicht zuständig! Das wisst ihr genau! Ihr müsst gehen! Sonst kriegen wir nur wegen eurer Anwesenheit nochmals einen größeren Aufstand und der ist dann auch berechtigt! – Denn ihr, die Armee, steht für den Krieg. Nur dadurch verfügt ihr über Autorität. Dürft Macht ausüben. Also geht jetzt wieder heim. Haltet euch von unserer Zivilbevölkerung fern. Jetzt! Sofort!“ – Huh! Wie die dann mit einem Mal wieder aufklotzen können! Sich wie wahre starke Männer benehmen! – Unsere Welt ist erbärmlich geworden und manch einer weiß gar nicht mehr wirklich den Unterschied zwischen kriechenden Würmern und sich selbst zu verplausibilisieren… Aber nicht er trägt die Schuld, sondern die Zeit, die uns alle jämmerlich verkümmern lässt. Uns unseren letzten Anstand raubt. Uns zu dem macht, was man früher angewidert bespuckt hätte… So ist das Leben im Heute und du gewöhnst dich daran. Die ersten Jahre mit vielen Fragezeichen behaftet, deren Antworten du in den Gesichtern um dich suchst und nicht findest und deshalb kapierst du irgendwann, dass es wohl notwendig ist… Dass du es ebenfalls akzeptieren musst, wie alle anderen. Und schon ist ein weiterer Mitläufer geboren! – Blind, dumm, bereit durch den stickigen Schlamm zu kriechen! Auf Knien zu leben! Kein Anstand, keine Ehre, kein Mitgefühl. So etwas braucht‘s im Schlamm nicht. Fragen sind nicht mehr wichtig. In dir formt sich aus dieser zwangsverordneten Unterwürfigkeit eine Ignoranz anderem Leid gegenüber, eine Bereitschaft für deine persönlichen Ziele über alles andere wegschauen zu können. Der Egomane bleibt lebendig! Überlebt! Betet den richtigen Gott an!

Wir sind also wieder einmal im Feldeinsatz. Wie so oft in letzter Zeit. Ein Hilferuf aus der Stadt Düsseldorf. Letztlich sind die Hasen vor aller Augen längstens gemütlich davongehoppelt und jetzt sind wir dran, sie wieder einzufangen. Hier draußen im freien Gelände. Zuvor lebten sie in der Unterstadt. Solche Begriffe des Mittelalters werden immer populärer! In Garagen-, Industrieanlagen, Vorratsschuppen, Schulhöfen, Unterkellerungen, aufgegebenen und noch genutzte Stallungen, Syndikatshöhlen in jedem Schlupfloch, in U-Bahnseitenausgängen, hinter Feuerschutztüren, in der betretbaren Kanalisation, Unterschlüpfe in klein, mittel und groß, angelegte zivile Untergrundwelten unter der sichtbaren Stadt. Sie sind unterdessen derart gut organisiert, dass sie praktisch alles und jeden unsichtbar verschwinden lassen können. Dass doch noch bei Unruhen seitens der Obrigkeit durchgegriffen werden kann, liegt einzig daran, dass sie allesamt gegeneinander arbeiten, ein Miteinander für keinen von ihnen denkbar scheint. Man handelt nur dann, verspricht man sich einen Vorteil davon. Der Egoismus grassiert. Es ist furchteinflößend, wie du jeden Tag nochmals mehr Kälte in den Gesichtern vor dir siehst, die dir bei solchen Unruhen begegnen… Wir, die Militärs werden schlichtweg als das Übelste von allen Übeln angesehen. Obwohl wir helfen, freien Bürgern wie Obdachlosen, sie davor beschützen von Kartellen und Syndikaten nochmals mehr geprügelt, unterdrückt, ausgenommen und gedemütigt zu werden und doch sieht man in uns seinen allerschlimmsten Feind. Und als unbarmherzigen Gegner, der direkt aus der Hölle zu dir kommt, auch noch den letzten Rest Menschlichkeit aus deinem Leben fortzureißen. Die Polizei sieht man wenigstens noch einen Tick freundlicher an. Aber letztlich sind wir es beide zusammen, die auf die Bürger der Stadt Jagd machen, kommen sie mit dem Gesetz in Konflikt. Die Gesetze sind unterdessen so angelegt, wollte man fast meinen, dass sie dir auf jeden Fall irgendwann die Beine wegreißen, dich wirksam ob einer fiese angelegten Fallschlinge straucheln und fallen lassen. Dir einfach gesagt die Füße stellen. Irgendwann wirst auch du ganz automatisch zum Hasen, der gejagt werden wird und deshalb hassen sie uns. Meiden uns, betrügen uns, wo immer sie können. Und sie schießen auf uns, auch ohne Grund, ohne Anlass, ohne persönliche Verflechtung. Es reicht aus, dass du Uniformträger bist und außerhalb der Stadt in einer eigens für dich geschaffenen Stadt leben kannst. Und das Ganze von Steuern finanziert, die sie, die armen Bürger, in besseren Zeiten alle noch zahlen konnten. Und nun, wo es schlimmer wird, verschlingen wir alle Reserven, sorgen dafür, dass harmlose Hungernde für ein geklautes Laib Brot auf offener Straße erschossen werden, öffentlich gehenkt, gesteinigt, gekreuzigt. An solcher Stelle werden liebend gerne Bibelzitate genutzt, obwohl an anderer Stelle Kirchen nur noch betreten werden, um sie auszuplündern. Oder sich darin zu verkriechen. Das zum Thema Frömmigkeit und Ehrlichkeit. Nichts davon gibt es noch wirklich. Wenn dann nur noch kleinste Ableger davon… Unsere zuletzt im Auftrag der Stadt Düsseldorf gejagten Hasen waren drei Brüdern aus dem städtischen Untergrund, die es dort wohl etwas übertrieben. Jedenfalls wurden sie seitens der Ordnungshüter durch die halbe Stadt gejagt, bis sie über die Grenzzäune nach außen entkommen konnten und auf den Feldern Unterschlupf fanden. Somit wurden sie zu unseren Hasen erklärt. Und wir machten uns ans Werk. Der Jüngste nicht viel älter als zwölf, der Älteste Ende zwanzig. Sie wirkten nicht unsympathisch. Außer, man schaute genauer hin. Sie töteten eine komplette Bauersfamilie in der städtischen Randzone, ebenso gut abgeschirmt und geschützt, wollte man meinen, bis auf ihre umliegenden Felder. Aber nicht dort wurden sie abgeschlachtet, im offenen ungeschützten Feld vor der Stadt, sondern innerhalb, wo sie lebten, um sich genau vor dieser Gewalt zu schützen. Drei kleinere Kinder und mehrere größere unter den Opfern, wie viele, weiß ich gar nicht mehr. Sämtliche Mädchen wurden vergewaltigt. Das ist wohl der Punkt, warum auch ich keinen Grund dafür sehe, nach einer Entschuldigung zu suchen. Wer kleine Kinder tötet, ihnen die Kehle durchschneidet, hat sich das Menschsein selbst aberkannt. Und Vergewaltigung, egal in welchem Alter, erzielt bei mir gleiche gedankliche Ergebnisse. Da unser System nicht mehr Rehabilitieren kann oder auch nur will, gilt da auch aus meiner Augen Sicht die Todesstrafe als einzige verfügbare Antwort… Soweit sind wir unterdessen schon, dass wir gar nicht mehr groß nachfragen, wer denn was im Einzelnen tat. Denn selbst der kleine Bruder kann nicht gerettet werden. Selbst wenn er unschuldig blieb. Spätestens die Leute, die von der Tat hören, Zivilisten wohlgemerkt, würden auch seinen Tod fordern. Denn er hat doch wenigstens zugesehen und damit ist seine Seele nicht minder schwarz und verdorrt, wie die seiner Brüder. Rein zu zweit, ohne Unterstützung, hätten die beiden das auch gar nicht hingekriegt. Dafür waren auf Bauersseite zu viele Wehrfähige. Ebenfalls große Söhne. Und durch harte tägliche Arbeit und Entbehrungen in der heutigen Landwirtschaft und Viehhaltung, sicherlich keine Verweichlichten.

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